Die Vision – Alt werden in der Gemeinschaft

Noch bin ich selbst relativ jung und dabei glücklicherweise auch verhältnismäßig leistungsfähig. Aber was nützt es mir, jetzt mit all meiner Energie ein Zuhause aufzubauen, das nur was taugt, solange dem so ist? Mein Anliegen ist es – von Minute Eins des Projektes – einen Lebensort zu schaffen, an dem man nicht nur in den Jahren seiner vollen Kraft glücklich sein wird, sondern wo man auch in Würde alt werden und sich über das sogenannte Renteneintrittsalter hinaus gebraucht und von Wert fühlen kann.

Wenn ich die Augen für einen Moment lang schließe, kann ich ihn sehen: diesen wunderbaren Lebensraum für Jung und Alt. Er ist wirklich gut durchdacht und angelegt, dieser Ort – sowohl bei den inneren Gemeinschaftsräumen als auch auf dem weitläufigen Gelände und in der Planung der Begegnungsmöglichkeiten.

Es gibt einen eigenen, liebevoll gestalteten Bereich für unsere Senioren, der Komfort und Rückzugsmöglichkeiten bietet. Hier könnten passende Appartments angesiedelt sein, wo ältere Leute entweder für sich allein oder in kleinen Wohngemeinschaftsgruppen zusammen leben.

Hilfsbedürftige ältere Menschen können mit Hilfe der jüngeren Generationen in ihrer Wohnung bleiben, während die Jüngeren (zum Beispiel Gemeinschaftsmitglieder mit Kindern) durchaus auch Entlastung durch Ältere erfahren, die geistig und körperlich noch vital sind.

Bei Bedarf kann hoffentlich eine ambulante Betreuung (durch interne oder externe Pflegekräfte) eingerichtet werden, durch welche sie versorgt werden, ohne die Gemeinschaft und ihr vertrautes Wohnumfeld verlassen zu müssen, wenn ihre Pflegebedürftigkeit die Möglichkeiten der internen Nachbarschaftshilfe übersteigt.

Im Außenbereich gibt es vor allem hausnah gut gepflegte Wege und allerlei Plätze, die zum gemütlichen Verweilen einladen. Die nächste Bank ist nie sehr weit und auch ausreichend Schatten lässt sich durch die vielen herrlichen (Obst-)Bäume schnell auffinden.

Während die Jugendlichen voller Energie und Elan an ihren Projekten arbeiten und die Kleinsten mittendrin dabei sind und mit großen Augen staunend die Welt begreifen, sind es die Älteren, die auf ein reiches Leben voll gemachter Erfahrungen, voll errungener Ziele und verschmerzter Fehler zurück blicken können. Sie lieben es sicherlich, den Jüngeren und Jüngsten bei ihrem Treiben zuzuschauen und hier und da ihr Wissen und ihre Einsichten zu teilen oder vielleicht auch einfach nur hin und wieder eine warme Mahlzeit für eine gerade sehr angestrengte Familie zuzubereiten.

Sieht man Alte nicht nur als hilfsbedürftig an, dann können sie auch bis ins hohe Alter durch ihre Erfahrung, Weisheit, Geduld, Freude am Umgang mit Kindern, Humor, Gelassenheit und Weitsicht einen unbezahlbaren Beitrag zum Gemeinschaftsleben leisten.

Die Wahl-Großeltern lesen den Kleinkindern etwas vor,  zeigen den Heranwachsenden den Umgang mit dem Traktor, schauen abwechselnd auf das kleine Neugeborene, damit die frischgebackene Mama einen Mittagsschlaf machen kann und kochen derweil gemeinsam eine kräftigende Suppe. Die Teenager bieten reihum eine offene Sprechstunde an, um bei Computerfragen oder bei der Inbetriebnahme des neuen Smartphones zu helfen.

Wenn ich mir den Ort nun vorstelle, an dem die Bedürfnisse von Jung und Alt gleichermaßen Beachtung finden und Menschen jeden Alters ein zufriedenes, sinnerfülltes Dasein verbringen dürfen, kann ich es eigentlich gar nicht mehr abwarten, all dies auch Wirklichkeit werden zu lassen.
Es ist mir ein absolutes Herzenanliegen, von Anfang an für jede Generation mitzudenken. Nicht zuletzt, weil ich gerne einen Ort schaffen würde, an dem ich selbst alt werden kann.

So, wie für die Kinder und Jugendlichen mitgedacht, geplant und Gelder bereit gestellt werden müssen, sollte auch die Versorgung unserer Senioren eine wichtige Rolle bei der gemeinsamen Planung einnehmen.

Im Idealfall finanziert die Gruppe sogar mit der Zeit eine Art internen Rentenfond, aus der zum Beispiel die Menschen im Alter mit dem Nötigsten versorgt werden können, die sich aufgrund unterschiedlichster Ursachen, wie z.B. Geschlecht, Alleinerziehendenstatus, niedrigerer beruflicher Qualifikationen, Krankheit, langjähriger Care-Arbeit oder auch viel unentgeltlicher Gemeinschaftsdienste keine allzu große materielle Absicherung aufbauen konnten.

Zusammengefasst sind es drei wesentliche Faktoren, die es für ein Altwerden in unserer Gemeinschaft braucht

  • Ausreichend Räumlichkeiten, die den Bedürfnissen älterer Herrschaften entsprechen und ggf. eine häusliche Pflege möglich machen
  • Soziale Integration durch die Wertschätzung der Qualitäten dieser Generation
  • Materielle und soziale Absicherung für das Wohnen und Altwerden in der Gemeinschaft, unabhängig von den persönlich erwirtschafteten Rentenansprüchen

 

Titelbild by Rolf Habel

 

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