Aussteigen, umsteigen, wieder einsteigen

In der vergangenen Woche haben wir sehr viele Wasserläufe im Allgäu kennen gelernt. Süße, kleine Walderdbeeren standen zu Dutzenden an den Wegesrändern. Und G lief die langen Wanderwege meist ohne Schwierigkeiten mit. Es gab ja auch genug zu entdecken und mit großelterlicher Stippvisite am Sonntag war sein Glück wahrscheinlich perfekt.

Es ist zwar ganz angenehm, mal wieder ein bisschen durchzuatmen, doch zugleich treibt mich eine innere Unruhe um. Im Moment können wir nicht viel anderes tun als abzuwarten. Und das ist für mich eigentlich immer schwierig auszuhalten. Untätig herum sitzen, keine Ahnung haben, was als nächstes ansteht, ohne Kontrolle über unsere weitere Zukunft…

Mein Mann hat sich inzwischen an zwei Kliniken beworben. Während die Antwort von der einen noch aussteht, hat die andere ihn postwendend zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Jedoch findet das erst in zwei Wochen statt und diese Latenzzeit füllen wir jetzt mit Ausflügen in der Region einerseits und mit Kontaktpflege zu interessanten Initiativen andererseits.

So haben wir diese Woche spontan eine etwas größere Gemeinschaft besucht und uns das Gelände angesehen. Aber da diese von der Entfernung her nicht in Frage käme, falls eine der beiden Kliniken tatsächlich zusagt, waren wir beide bei dem Termin nicht so ganz mit dem Herzen dabei. Trotzdem war es schön und schmerzlich gleichzeitig, auf dem Grundstück herumgeführt zu werden und zu sehen, welche Ergebnisse das Gemeinschaftsleben hier schon zeigte. Das Highlight für G waren vielleicht die beiden frisch geborenen Lämmchen im Stall, für uns ein ausgeklügelter Solar-Dörrapparat und die beeindruckende SoLaWi-Anlage.

Dann sind wir außerdem im Austausch mit zwei verschiedenen Keimzellen hier im Süden Deutschlands, aber konkret ist da noch nichts und unsere direkte Zukunft scheint uns nicht in einen echten Gemeinschaftskontext zu führen.

Das macht mich gerade ziemlich traurig. Das Gefühl, mit unserer Mission vorläufig gescheitert zu sein, lässt mich einfach nicht los. Wie kompliziert es ist, einen Lebensort zu finden, der selbst genug Sicherheiten bietet, um sich darauf einzulassen und darüber hinaus genau so gelegen ist, dass T eine passende Klinikstelle finden kann, frustriert mich sehr.

Ich habe auch echt Angst vor der Rückkehr ins alte System. Angst vor den Rahmenbedingungen, vor den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zwängen. Angst, wieder zu schnell in alte Verhaltensmuster zu fallen, die ich eigentlich nicht mehr leben will. Angst vor Isolation und vor einem faulen Kompromiss in Sachen Kinderbetreuung bzw. Schule für G. Zu schön war die Zeit innerhalb der Gemeinschafts-Blase, im fortdauernden Kontakt mit Gleichgesinnten aller Art.

Doch was hilft es? Es liegt gerade nicht in meiner Macht, das Ruder wirklich herum zu reißen. Unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen in Form unserer großen Reise, hat irgendwie nicht so wirklich funktioniert. Ich kann jetzt nur abwarten und darauf reagieren, was sich in unserem Leben abzeichnet.

Vielleicht sind meine Ängste ja völlig unbegründet? Vielleicht ist das, was uns gerade passiert, genau das Richtige für uns. Vielleicht habe ich genug gelernt und verstanden, um auch in einem konventionelleren Setting näher an meinen Idealen und Werten leben zu können als früher? Vielleicht kann ich mit meinen Ideen und meiner Energie auch in einer klassischen Wohnsituation und mit einer klassischen Aufgabenverteilung soziale Verbundenheit finden, Nachhaltigkeit fördern und meinen Beitrag am großen Ganzen leisten?

Meine Vision will ich trotzdem nicht aus den Augen verlieren. Ich werde weiter darüber schreiben, wie ich mir mein Leben eigentlich gestalten möchte.

Und derweil versuche ich, nicht zu sehr darüber zu verzweifeln oder gar zu verbittern, wie ungerecht die Reichtümer dieser Welt verteilt sind. Wie furchtbar es ist, wohin die Gelder in großen Massen fließen, wieviel Schaden unserem Planeten und seinen Bewohner_*innen tagtäglich zugefügt wird, während an so vielen anderen Stellen sinnhafte und großartige Träume an den Finanzen scheitern oder -sicherlich noch viel schlimmer, ich weiß!- nicht mal die grundlegendsten Bedürfnisse der Menschen erfüllt werden können. Und das, weil das notwendige Geld (=die Macht) fehlt, die Umstände zum Besseren verändern.

Will ich wirklich wieder Teil dieses kranken Systems sein?

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