Die Vision – Grundgedanken

Es gibt da tief in mir drin diese Sehnsucht nach einem anderen Leben. Ich schaue auf meinen bisherigen Lebenswandel, auf mein gesamtes Umfeld und die mich umgebende Gesellschaft und wünsche mir, dass es auch anders ginge: Liebevoller. Achtsamer. Herzlicher. Verbundener.

Heute beginne ich mit ein paar grundlegenden Aspekten, die ich mir vom Leben in einer Gemeinschaft erhoffe. Jeder einzelne Punkt ist es wert, noch einmal gesondert und deutlich intensiver betrachtet zu werden, aber vielleicht entsteht vor eurem inneren Auge bereits so ein gewisses Bild, ein Gefühl zu dem Ort, den ich so gerne mit aufbauen würde?


 

Der Ort, den ich mir vorstelle, ist ein Ort voller Lebendigkeit und Bewegung.

Ein Ort, wo junge Menschen das Leben entdecken und ihr Potential entfalten können, wo die Älteren ihnen dabei mit einem Lächeln zuschauen, sie begleiten und unterstützen und wir alle voneinander lernen dürfen. Es ist ein Ort des Miteinanders, der helfenden Hände, der geteilten Sorgen und der gefeierten Feste.

Es gibt da diese gewisse Beständigkeit, die daraus erwächst, dass alle Generationen ihren Platz gefunden haben und jeder Mensch auf seine eigenen Bedürfnisse achten sowie seinen Leidenschaften und Begabungen folgen darf. Ein solcher Ort lädt zum (lebenslangen) Verweilen ein und hat kein Problem, Nachwuchs zu finden, wenn doch manche weiter ziehen.

Gleichzeitig spürt man in jeder Faser dieses dorfähnlichen Gebildes, dass Flexibilität im Denken und Handeln ein hohes Gut ist. Gäste, Besucher_*innen und Helfende kommen und gehen. Die geltenden Regeln werden immer wieder neu ausgehandelt, um dem Miteinander der Menschen hier einen verbindlichen Rahmen zu schaffen, nicht um sie einzuengen.

Die Übergänge von Leben und Arbeiten sind fließend.

Jede Handlung ist eine sinnvolle, eingebettet in die Ziele und Strukturen der Gemeinschaft. Der Wert einer Arbeit wird nicht am Geld bemessen, denn jede Arbeit ist wertvoll und wird auch so geschätzt. Wer außerhalb der Gemeinschaft einem Beruf nachgeht und so das Leben aller hier finanziell unterstützt, bekommt nicht mehr und nicht weniger Respekt von den anderen als diejenigen, die ohne monetäre Gegenleistung ihren Anteil am Gelingen des Gemeinschaftslebens beitragen.


 

Gemeinschaft – das sind die Menschen, die da sind.

Die Gemeinschaft lebt nicht in einer abgegrenzten Blase. Sie ist offen, permeabel in alle Himmelsrichtungen. Jeder Mensch ist willkommen, jeder Interessierte eine Bereicherung. Nicht-Bewohner_*innen finden stets offene Türen oder offene Plätze, um Anteil zu nehmen.

Die Zusammengehörigkeit wird schon genug gestärkt durch die gemeinsame Planung und die gemeinsamen Ziele. Eine solche starke Gruppe freut sich über neue Gesichter, andere Ansichten, fremde Geschichten. All das ist wichtig, um in der Welt mit ihrer Vielfalt und ihrem Reichtum verankert zu sein.

Transparenz schafft Vertrauen und gibt die Chance, sich selbst immer wieder zu reflektieren und auch von anderen hinterfragt zu werden.

Wir teilen die Verantwortung für das Wohlergehen unserer Gruppe völlig selbstverständlich.

Wenn ein Mitglied des Gefüges leidet, so leidet das gesamte Gefüge. Auf genug Schultern verteilt, wird die Sorge und Pflege derer, die sie benötigen, eine natürliche Angelegenheit. Keiner muss unter einer Last zusammen brechen, die für ihn allein zu groß ist. Wenn alle dafür einstehen, sich gegenseitig zu unterstützen, kann ein soziales Netz erschaffen werden, das stabil ist und trägt – auch in Notlagen oder Zeiten der Bedürftigkeit.
 

 

Die Begriffe Eigentum und Besitz dürfen neu gedacht werden.

Unser Ansatz ist kein kommunistischer, aber auch kein kapitalistischer. Eher irgendwo dazwischen. Mit ganz viel Leichtigkeit und Freiwilligkeit. Wir finden Wege, eine faire Verteilung der vorhandenen Güter gleichwertig neben dem Bedürfnis nach persönlichem Eigentum zu erwirken. Ohne Zwang wird langsam aber stetig der Reichtum der Gemeinschaft wachsen, ohne das ein Individuum dadurch verarmt.
 

 
Wer viel geben kann, tut dies und geht damit voran, spürt die Freude am Teilen und Schenken. Andere werden sicher folgen. Und wer sich schwer damit tut, sich von alten Denkmustern zu lösen, wer mehr Sicherheiten im privaten Besitztum braucht, wird deswegen nicht verachtet oder gar ausgeschlossen. Ein Konzept für die unterstützende Altersversorgung der Mitglieder entsteht auf eine natürliche und von der Gemeinschaft tragfähige Weise.

All unser Tun folgt einem roten Faden.

Wir versuchen einen Lebensstil zu finden, welcher unserer Umwelt, unseren Mitmenschen – ob im Haus nebenan oder auf der anderen Seite der Erde – sowie dem Planeten selbst den geringst möglichen Schaden zufügt. Wir gehen verantwortlich mit Ressourcen um und streben als Gemeinschaft einen nachhaltigen Lebenswandel an.

Die Bereitschaft zu Konsens-orientierten Gruppenentscheidungen und die Anerkennung der unterschiedlichen Bedürfnisse eines jeden Individuums an sich und in den verschiedenen Lebensphasen sind erste Schritte hin zu einem friedlicheren Zusammenleben.
 

 
Konflikte sehen wir als Chance, unsere persönlichen Grenzen immer wieder neu auszuloten. Das Leben in einer Gruppe funktioniert nicht von selbst, es muss bewusst gestaltet werden, auch Konflikte wollen auf eine neue, bessere Weise gelöst werden.

Die Mitglieder der Gemeinschaft verstehen sich als immerzu Suchende und Lernende.

Jeder Mensch bringt seine ganz persönlichen Stärken und Schwächen mit und so kann ein jeder stets vom anderen etwas lernen. Es birgt ein ungeheures Potential, sich mit anderen zu vernetzen, die einen ähnlichen Weg bereits gehen. Auch sollen die Erkenntnisse und Erfahrungen der Gemeinschaft anderen zur Verfügung stehen, die sich auf den Weg machen möchten.

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