Ein (kritischer) Blick auf den Medienkonsum meines Sohnes

Nachdem ich weiterhin dran bleibe, mein Smartphone tagsüber im Zimmer zu lassen, bemerke ich, dass G ganz automatisch viel seltener danach fragt, ob er „Bilder angucken“ darf. Aus den Augen aus dem Sinn? Schön wär’s ja!

Heute schreibe ich mal auf, wieviel Zeit G am Bildschirm verbringt. Erstens, weil ich mir selbst mal einen Überblick verschaffen will und zweitens ist es ja vielleicht auch für den ein oder anderen von euch interessant.

Die Zeiten sind alle geschätzt, vor allem die lang zurück liegenden. Ich sitze nicht mit der Stoppuhr daneben und führe bislang auch keine Tabelle. Es lief alles nach Gefühl. Mal sehen, ob das so bleibt.

Geburt bis etwa 22 Monate:

  • null screentime

22 bis 28 Monate:

  • sporadisch gemeinsames Betrachten kurzer selbst gedrehter Videos und Fotos auf dem Handy / Laptop ca. 15 Minuten pro Woche
  • 1-2x ca. 15 Minuten Skype mit den Großeltern

Total: max. 45 Minuten screentime pro Woche

28 Monate bis knapp 2,5 Jahre :

  • sporadisch gemeinsames Betrachten kurzer selbst gedrehter Videos und Fotos auf dem Handy / Laptop ca. 15 Minuten pro Woche
  • 1-2x ca. 15 Minuten Skype mit den Großeltern
  • fast täglich ausgewählte, kurze Clips auf YouTube (Sendung mit der Maus) ca. 20 Minuten pro Woche

Total: max. 60-70 Minuten screentime pro Woche

In dem Winter nach dem 2. Geburtstag schauten wir regelmäßig kurze Filmchen, mein Mann und ich hatten aber nach einigen Wochen kein gutes Gefühl mehr dabei. Also änderten wir die Gewohnheit und erklärten einen festen Tag zum Filme-Guck-Tag.

2,5 Jahre bis 4 Jahre

  • regelmäßig  gemeinsames Betrachten selbst gedrehter Videos und Fotos auf dem Handy / Laptop ca. 30 Minuten pro Woche
  • 1-2x ca. 15 Minuten Skype mit den Großeltern
  • Sporadisch Kinderlieder auf YouTube ca. 10 Minuten pro Woche
  • Einmal in der Woche 30-40 Minuten feste Fernsehzeit (Sendung mit der Maus, Pumuckl,  Bilderbuchgeschichten, Themenvideos z.B. Raketen, Zeppeline)

Total: max. 100-120 Minuten screentime pro Woche

4 Jahre bis heute

  • selten gemeinsames Betrachten selbst gedrehter Videos und Fotos auf dem Handy / Laptop ca. 5 Minuten pro Woche
  • 1-2x ca. 15 Minuten Skype mit den Großeltern
  • Sporadisch Musikvideos YouTube ca. 10 Minuten pro Woche
  • Einmal in der Woche 45 Minuten feste Fernsehzeit (Sendung mit der Maus, Pumuckl,  Bilderbuchgeschichten, Themenvideos z.B. Raketen, Zeppeline)
  • Sporadisch Googlen mit Spracherkennung, Fotografieren ca. 20 Minuten pro Woche

Total: max. 100-120 Minuten screentime pro Woche

Wäre ich heute nochmal in der Lage, würde ich die Einführung wahrscheinlich noch ein paar Jahre länger hinaus zögern. Aber da G nun schon weiß, dass es Filme und Handy gibt, und der Freitagabend unser gemütlicher Video-Kuschel-Abend ist, bleibt der uns weiter erhalten. Mit vorhergehendem Baden haben wir da immer einen sehr entspannten Ablauf für uns alle!

Das heißt aber nicht, dass ich die Gewohnheit nicht brechen würde, wenn ich den Eindruck hätte, das Ganze tut dem Kindlein nicht gut. Im Gegenteil, ich würde sofort damit aufhören und eine Änderung herbei führen, wie ich es ja im Alter von zweieinhalb Jahren schon getan habe.

Aber das Maß, welches wir nun schon seit längerem haben, finde ich tatsächlich ganz ok. Ich habe Vertrauen darin, dass ich es spüren würde, sobald das nicht mehr stimmt.

Ein wichtiger Aspekt ist für mich, dass nicht die komplette Zeit für reine Unterhaltung (Videos) draufgeht, sondern irgendwie ja doch auch fürs Lernen (Googeln, Bedienung des Apparats), Kreativität (Fotos und Filme machen) und soziale Kontakte (Skype).

Die Benutzung erfolgt nahezu immer gemeinsam, das ist mir sehr wichtig in dem Alter. G ist so gut wie nie mit dem Handy sich selbst überlassen, wird also nicht damit ‚ruhig gestellt‘. Beim Bilder oder Fotos angucken, sprechen wir logischerweise viel über das, was wir sehen. Beim Musikhören singen oder tanzen wir sogar mit. Beim Skypen ist sowieso Action angesagt, denn da müssen Oma und Opa ja alle neuen Entdeckungen gezeigt und erklärt bekommen!

Alles in allem bin ich also eigentlich ganz zufrieden mit dem aktuellen Konsumausmaß. So kann es ruhig erstmal bleiben, zumal es uns allen damit gut geht.

G fragt übrigens oft, wann Filmetag ist (wie oft noch schlafen). Dann sage ich es ihm und es ist gut. Er fragt nie (!), ob er außer der Reihe Fernsehen darf. Ich glaube, er drückt mit dieser Frage vor allem zwei Sachen aus: einmal, dass er sich einfach wirklich auf das Schauen freut und dem entgegen fiebert (Vorfreude) und andererseits benutzt er diesen Fixpunkt auch irgendwie als Zeitmesser, als Orientierungsmarke innerhalb der Woche sozusagen.

Nach dem Filmegucken selbst ist er oft für einen kurzen Augenblick traurig oder wütend, dass ich es ausschalte, aber diese Emotion hält höchstes 1 Minute an, meistens kürzer. Und danach schläft er immer super gut ein. Also auch hier für mich kein Grund zur Sorge, glaube ich.

Beim Bildergoogeln ist er ebenfalls oft einen kurzen Moment lang sauer, wenn ich sage, es sei genug und ich möchte das Smartphone jetzt wieder weglegen. Aber da er sich immer schnell wieder beruhigt und auch trotz Frust kooperiert und danach schnell in die nächste Aktivität findet, bleibe ich erstmal entspannt.

Ich hoffe, dies alles ist wirklich ein Umgang, der meinen Sohn in seiner Entwicklung zumindest nicht besonders behindert. Bestimmt könnte er in seinem jungen Alter noch mit weniger screentime ein glückliches Leben führen (im Gegensatz zu Teenagern, die weder mit striktem Verbot noch mit einem exzessiven Gebrauch, sondern mit Eltern-regulierter, geringer screentime das höchste Glückslevel erreichen).

Und wie läuft es bei euch? Wieviel Zeit verbringt der Nachwuchs am Bildschirm?  Seid ihr zufrieden damit?

Links

New Research: If Happiness is the Goal for Teens,  Screen Limits are the Path

Screen-Time rules? It depends on the kid.

25 Discussions to have with Kids about Screens 

Steve Jobs and Bill Gates raised their kids tech-free. And it should’ve been a red flag

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