Wir bauen ein Kompost-Trennklo: Teil 4

Wir haben Glück: das Wetter hält sich gut und wir können fast täglich einige Stunden im Garten verbringen und an der Weiterstellung des Toilettenhauses werkeln. Bambus als Material ist wirklich wunderschön sowohl in Optik als auch Haptik – nur super aufwendig in der Verarbeitung!

Das Grundgerüst mit vier Eckpfeilern, diversen Längs-, Quer- und Diagonalstreben sowie einem doppelten Kreuz für die Dachbefestigung haben wir innerhalb von drei Tagen aufzubauen geschafft. Ursprünglich wollten wir eigentlich Sisalschnur zum Verbinden benutzen, aber die Qualität der hier erhältlichen Schnur war leider zu schlecht, also ist es jetzt doch eine Kunststoffschnur geworden. Hoffentlich hält die dafür ewig.

Das Fundament aus Flusssteinen leistet gute Dienste, nur ein Eckpfeiler musste noch mit einem Stein im Level angepasst werden. Das einzig Nervige beim Arbeiten ist die starre Pipileitung, um die man sich immer irgendwie herum positionieren muss. Aber irgendwas ist ja immer, ne?

Ein bedeutender Augenblick war es schon, als wir die letzten Stangen miteinander verbunden haben. Jetzt kann man sich richtig gut vorstellen, welche Dimensionen das Örtchen am Ende haben wird.

Die nächsten Schritte sind das Weben und anschließende Verputzen der eigentlichen Wände. Wenn diese fertig sind, fehlen dann noch die Tür, eine gescheite Dachkonstruktion (Gerüst steht, es fehlt die Verkleidung) und natürlich die Innenausstattung (nur die Holz-Box selbst und natürlich die unterirdische Urinleitung sind fertig). Für die Wände nehmen wir ja ebenfalls Bambus. Den zu schälen, zu spalten und zurecht zu schneiden, kostet unglaublich viel Zeit.

Hier vor Ort gab es schon mehrere Schnittverletzungen beim Spalten. Zum Glück haben wir immer ’nen Arzt dabei.

Außerdem muss mein Liebster über der Konstruktion und drum herum noch mit der Heckenschere ran, um das Gestrüpp einigermaßen zu bändigen.

Von Hand jeden einzelnen Arbeitsschritt zu leisten, noch dazu ohne die Unterstützung einer größeren Gruppe – das ist echt eine Herausforderung an unsere Motivation und Kräfte.

Als die erste Fuhre Bambus ausgegangen war, haben wir jedenfalls schon mal mit dem Einzementieren des unteren Abschnittes begonnen.

Der im Betonmischer zubereitete „Kalk-Zement“ wird hierfür großzügig auf das Gewebe aufgetragen und muss dann erst mal zwei bis drei Tage so richtig gut durchtrocknen.

Dann ging es weiter mit der manuellen Lehmherstellung fürs Verputzen.

Eine Schubkarre Gras schneiden, einen Berg Lehmerde sieben und Wasser bereit stellen – mehr braucht es nicht. Schon cool, wenn die Materialien vor unseren Füßen liegen und man weiß, dass sie eines Tages, wenn das Haus alt und baufällig wird, einfach wieder zu Erde werden können.

Das Gras haben wir in etwa 1-cm-lange Stückchen geschnitten, ich fand es ganz schön anstrengend für die Handgelenke (Sehnenscheiden) und habe zwischendurch zur Abwechslung wieder etwas Bambus gespalten.

Die Mischung haben wir dann aufgrund fehlender Netzverbindung nach Gefühl und Wellenschlag angerührt. Ein Eimer Lehmerde und eine üppige Hand voll Grasschnipseln ergaben am Ende eine gute Konsistenz.

T hat das Auftragen übernommen und erst die Ecken des Zementes begradigt und dann die Lücken geschlossen.

Hoffentlich hält das Ganze, was es verspricht. Bisher sieht es jedenfalls ziemlich gut aus.

Immer wenn ein Teil getrocknet ist, geht es mit den Wänden Stück für Stück weiter.

Mal schauen, wie das Wetter mitmacht und wie weit wir mit der Arbeit kommen.

Erfreulicherweise ist G im Garten sehr ausgeglichen und beschäftigt sich super alleine.

Hauptsache er ist in unserer Nähe und ich gebe zu, es hilft doch sehr, dass wir eine Menge Benjamin Blümchen und Pumuckl als Hörspiele dabei haben.

Dann geht G in seinem eigenen Werk total auf, sei es in der improvisierten Matschküche oder direkt an unserer Baustelle.

Ich hätte, ehrlich gesagt, nicht gedacht, dass das Unterfangen Kompostklo so eine ausufernde Angelegenheit wird. Aber wenn es gründlich gemacht werden soll und eher im Einzelkämpfermodus denn im Gemeinschaftskontext abläuft, muss es wohl so sein. (Seufz.)

Hier geht’s zu den kompletten Bauerfahrungen

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