Experimentelle Klanginstallation und Butoh Performance

Gestern war ein aufregender Tag: Als Gegenleistung für ein Bild (welches noch nicht gemalt ist!) wurden letzte Woche schon zwei Obstbäume in den Gemeinschaftsgarten gepflanzt und nun außerdem ein Essen für unsere Gruppe ausgerichtet. Danach brachten sich vier Künstler_*innen mit einer ganz besonderen Performance ein.

Der Nachmittag draußen plätscherte so dahin. Unsere „Kerngruppe“ arbeitete entspannt zusammen und kreierte einen schönen Platz für das BBQ.


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Das Essen war super lecker, abwechslungsreich, vegantauglich und ich war viel zu schnell satt.

Auf die angekündigte Klanginstallation war ich schon seit Tagen sehr gespannt und die beiden Musikkünstler legten sich auch schwer ins Zeug.

Die „Instrumente“ wurden mit großer Leidenschaft in Bewegung gesetzt und erzeugten die seltsamsten Klänge. So etwas habe ich noch nie gesehen bzw. gehört.

Allerdings wurde ich doch sehr abgelenkt von der parallel aufgeführten „Tanz“-Performance. Butoh hieß die Darstellung und es handelte sich um einen japanischen Ausdruckstanz schier unendlicher Qual und Seelenpein.

Die Künstlerinnen gingen total in ihrer Rolle auf und lieferten einen durch und durch gestörten Anblick. Ich war hin und her gerissen zwischen Fremdschämen Unbehagen und Langeweile. (Sorry.)

Ich habe ja schon so manche Selbsterfahrungsgruppe mitgemacht und in einem solchen Rahmen kann der Ausdruck von Emotionen in Form von Theater und Tanz sicherlich ihre heilsame Wirkung für den einzelnen haben. Doch auf der Bühne vorgeführt kann ich einfach überhaupt nichts damit anfangen.

Beim letzten Mal, als ich aus Versehen in eine vergleichbar deprimierende Aufführung geraten war, kroch mir ein fast nackter, kohleverschmierter Mitte-70-Jähriger in einem Kreuzberger Ladenatelier die Beine hoch. Ich gebe zu, diese Form von künstlerischem Ausdruck ist einfach not my cup of tea.

Zu meiner Erleichterung ließ mein Junge sich von der Aufführung nicht verstören, sondern machte bei der Zugabenummer gleich selber mit.

Bei einem Vierjährigen ist jede Art von Ausdruckstanz einfach zuckersüß anzusehen, finde ich.

Er war ja aber auch nicht mit den seelischen Schmerzhöllen japanischer Gesellschaftsrebellen in den späten Fünfzigerjahren auf Tuchfühlung, sondern drückte meiner Meinung nach reine Neugier und Lebensfreude aus.

Im Anschluss an die Darbietung konnten jung und alt den „Klangwald“ erforschen. G war mit viel Ausdauer dabei und auch seine kleine Kumpanin wollte noch was erleben, bevor der Sandmann rief.

Ich fiel dann auch bald darauf müde ins Bett. Schon interessant, was das Leben so für mich bereit hält. Oder um mit den Worten von Forest Gump’s Mutter zu schließen:

„Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel: Man weiß nie, was man kriegt.“

Ich hoffe jedenfalls insgeheim, dass ich so schnell keine Butoh-Praline mehr kriege.
:-O

2 Replies to “Experimentelle Klanginstallation und Butoh Performance”

  1. Ich hoffe auch, dass uns die Butoh Pralinen erspart bleiben 😉 lass uns das Schicksal selbst in die Hand nehmen und lieber Marzipan Pralinen machen! Gute Nacht Grüße ins Nebenhaus :**

  2. […] verzichte auf eine erneute Butoh-Praline und gehe früh ins […]

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