Ein zufriedenes Leben

Ich liege gerade noch im Bett, über mir schwebt das Moskitonetz, dass mein Liebster kurz nach Einzug in diesem Zimmer angebracht hat. Neben mir spüre ich mein ruhig atmendes Kind. Vor mir liegt ein neuer Tag im Leben einer schwer zu beschreibenden Gemeinschaft.

Nach zwei Wechseln innerhalb des Hauses sind wir nun schon über eine Woche lang in diesem Zimmer zuhause und werden es wohl auch weiterhin bewohnen.  Es befindet sich in dem Teil des Hauses,  der etwas vom Hauptwohnbereich abgegrenzt ist. Hier gibt es nur unser Zimmer im 1. Stock mit Zugang zu Küche und Bad im Erdgeschoss und über uns ein weiteres Schlafzimmer mit Zugang zur Dachterrasse, über welche man wiederum in den anderen Teil kommen kann.

Wir teilen uns diesen Wohn-Trakt also mit nur einer anderen Person und haben etwas akustische Distanz zum gemeinsamen Wohnbereich. Das empfinde ich auf jeden Fall als sehr wohltuend, besonders abends und nachts, wenn ich G zur Ruhe bringe. Andererseits weckt der Junge dann auch nicht sofort das ganze Haus auf, wenn er als erster wach ist.

Die Tage vergehen hier so schnell und leicht,  dass ich kaum hinterher komme mit Datum oder Wochentag. Von morgens bis abends fließt das Leben so dahin. An Aufgaben mangelt es nie. Aber in Stress gerate ich überhaupt nicht. Jeder Tagesabschnitt hat seine spezifischen Anforderungen,  jeder neue Tag bringt einen überraschenden Strauß an Möglichkeiten mit sich. Und ich schwimme mit dem Strom und lasse mich ohne Kraftaufwand durch den Tag treiben, während ich im selben Moment achtsam und aufmerksam für mich selbst, für meine Umgebung,  meine Mitmenschen sein kein.

Bei unserem gemeinsamen Strandausflug konnten wir alle zusammen die Seele baumeln lassen. Das Wetter war einfach zu verlockend. Laufende Projekte dürfen ruhen,  egal ob es Werktag,  Sonntag oder Feiertag ist.  Entscheidend sind oft nicht äußere Vorgaben, sondern das, was für uns als Gruppe stimmig und „dran“ ist.

Im Garten entstehen derzeit Kompostklo und Outdoorküche. Wer mag, arbeitet mit und bringt sich ein. Die anderen finden andere Tätigkeiten oder eben auch nicht. Denn überarbeiten soll sich hier wirklich keiner. Du selbst bestimmst, wann du eine Pause einlegen oder aktiv sein solltest.

Jeden Tag sitzen wir in aller Ruhe zu den drei Hauptmahlzeiten am großen Tisch zusammen,  egal ob im Garten,  im Haus oder auf der Dachterrasse. Bei Bedarf werden hier organisatorische Fragen geklärt, ansonsten genießen wir vor allem die Gesellschaft der anderen.

Mir scheint hier an diesem Ort und in der momentanen Gruppenkonstellation die Balance zwischen Ruhe und Arbeit, zwischen Ich und Wir, zwischen Absprechen und Geschehenlassen spielend leicht zu gelingen.

Das Leben ist ein einfaches. Ein geruhsames. Ein zufriedenes. Ich bin hier und jetzt richtig glücklich.

Was will ich mehr?

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