Anti-Feministin?

In letzter Zeit habe ich mir immer mal wieder Gedanken dazu gemacht, ob meine Lebensweise der letzten 4 Jahre als „Hausfrau und Mutter“ und die damit verbundene, selbst gewählte Rolle eigentlich der feministischen Bewegung komplett zuwider läuft.

Die Geschichte rund um die Selbstbestimmung der Frau ist natürlich auch für mich unbestritten wichtig. Nicht zuletzt wenn es um solche für uns selbstverständlichen Dinge wie Bildungschancen, persönliche Unabhängigkeit oder meine allgemeine Lebensführung geht. Schließlich will ich nicht von einem Ehemann die Erlaubnis erteilt bekommen müssen, ob ich studieren oder gar den Führerschein machen darf. Wäre ich an der sogenannten großen Politik interessiert, würde ich sicher auch von meinem Wahlrecht Gebrauch machen.
Doch mir scheint manchmal, die Bewegung der Emanzipierung der Frau hat zu kurz gegriffen, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Frauen eben keine Männer sind.

Während meiner Weiterbildung in der traditionellen Hebammenkunst wurde mein Blick geschärft für die einst so stark betonte Bedeutung von Frauengesundheit, in Fachkreisen auch uterine Gesundheit genannt. Und mir wurde klar, dass uns die lila Latzhose in dieser Hinsicht vielleicht einen ordentlichen Bärendienst erwiesen hat.

Denn die Kehrseite der Gleichstellungsmedaille ist nun mal der Verlust eben dieser kleinen, aber feinen Schutzräume und Rückzugsmöglichkeiten, die den Frauen in vergangenen Zeiten aufgrund ihrer weiblichen Wesenszüge zugestanden wurden. Wie würde mir wohl ein durchschnittlicher Arbeitsgeber (m/w/*) heutzutage begegnen, wenn ich meine geringere Belastbarkeit an gewissen Zyklustagen ausleben und Rücksichtsnahme in Bezug auf mein hormonelles Leistungstief einfordern würde?

Auch in Zeiten von Schwangerschaft und Mutterschaft fehlt meiner Meinung nach der Schutzraum für Mutter und Kind (wenn wir es in Deutschland sogar noch vergleichsweise gut haben im Vergleich mit den meisten anderen Industrienationen, von ärmeren Ländern ganz zu schweigen) sowie die Wertschätzung der weiblichen Kraft und eine echte Unterstützung der Frauen, die ihre „Arbeitskraft“ mit Leidenschaft und Hingabe der Familie widmen möchten.
Was ist denn Care-Arbeit im Sinne der klassischen Mutterrolle heute noch wert?

Ich erlebe so viele Frauen um mich herum, die zusätzlich zu ihrer kräfteraubenden Arbeit als Mütter, ihre eigene Karriere voran treiben möchten. Rush hour des Lebens und so. Das zu tun, bedeutet für uns Frauen im vorherrschenden System allerdings, sich mit den typischen männlichen Qualitäten, wie Zielstrebigkeit, Erfolg und Leistungsfähigkeit zu identifizieren, um in einer von Männern erbauten und teilweise noch immer dominierten Arbeitswelt mithalten zu können. Weibliche Qualitäten wie Intuition, Empathie, Kreativität und der tiefe Kontakt zu sich selbst werden dabei oft verdrängt. Das Gefühl, mithalten und immer funktionieren zu müssen, ist möglicherweise ein Grund dafür, dass der Bezug zur eigenen Weiblichkeit verloren geht und damit der Zugang zu unserer stärksten Energiequelle.

Was passiert nun also mit all den Frauen, die es nicht schaffen, dem Druck der Gesellschaft, ja auch dem Druck aus den eigenen Reihen von sog. Feministinnen, entgegen zu treten – für ein wahrhaft selbstbestimmtes Leben? Was passiert, wenn sie sich mit der überall propagierten „Vereinbarkeit“ von Familie und Beruf eigentlich ständig unter Doppelbelastung setzen und sich zurecht früher oder später einfach nur zerrissen, überfordert und ausgelaugt fühlen? Nicht wenige Frauen fühlen sich aufgrund der vielfältigen Anforderungen überlastet, burnout Symptome werden immer häufiger.

Warum ich gerade jetzt darüber schreibe? Das mit dem Niedergang der Frauengesundheit ist mir schließlich schon seit gut zwei Jahren bewusst gemacht geworden.
Der Grund ist wahrscheinlich meine letzte Lektüre: Slow Sex von Nicole Daedone und meine neu erwachte Selbstliebe für mein Frau-Sein. In diesem Buch und mit ihrer ganzen Arbeit macht diese großartige, kraftvolle Frau uns klar, dass unsere gesamte Vorstellung von Sex allein am männlichen Prinzip von Orgasmus ausgerichtet ist. Und dass dadurch hunderte, tausende von Frauen (mich eingeschlossen) tagtäglich den Eindruck haben mit ihnen stimme etwas nicht. Als wären sie defekt, irreparabel kaputt und Schuld an der fragwürdigen Qualität ihres Sexuallebens. Doch der eigentliche Knackpunkt ist schlicht und ergreifend in der Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen zu finden. Den Irrglauben unserer Gleichheit zu durchbrechen scheint der Schlüssel für dieses Dilemma zu sein.

Einmal die Perspektive zu ändern, die Frau in ihrer femininen Einzigartigkeit anzuerkennen und ihrem Wesen entsprechend voller Vorsicht und Rücksichtnahme zu behandeln, kann wahre Wunder bewirken und Frauen einen völlig neuen Quell an Energie, Kraft und Selbstvertrauen schenken, wie ich innerhalb kürzester Zeit feststellen durfte.
So erweist sich die allseits verkaufte Art und Weise, wie Sex auszusehen hat, als riesengroße Gesellschaftslüge. Eine Welt, in der Frauen alles ausleben dürfen, alles ausprobieren sollen, alles möglich machen können, solange es in das Bild des männlichen Sexualtriebes passt.
Mit der Folge, dass die femininen Züge von Sexualität völlig in der Versenkung verschwunden sind, samt ihrer Libido und Lebenskraft gleich dazu, so scheint es.

Mit nur minimalem Aufwand, der die Besonderheiten der weiblichen Sexualität in den Fokus rückt, wo das Nehmen zum Geben wird, erblüht ihre verschüttete Lebensenergie und ermöglicht dem Paar eine völlig neue Ebene von Intimität und
einem spirituellen Erlebnis von wahrhaftiger Verbundenheit.

Ich empfinde es als großes Geschenk, meiner weiblichen Orgasmusfähigkeit auf diese, zugegeben zunächst sehr unkonventionelle Weise, nochmal ganz neu begegnen und auf die Spur kommen zu dürfen. Ich fühle mich, trotz einer jahrelangen Partnerschaft voller Vertrauen und Liebe, schon jetzt, nach kaum zwei Wochen Praxis, noch mal um einiges beschützter, gehaltener und geliebter als in all den Jahren zuvor.

Was wäre denn, wenn sich die Erkenntnis unserer Unterschiede und der liebevoll-schützende Umgang mit der Frau auch in andere Lebensbereiche mitnehmen ließe, so dass Frauen einen gleichberechtigten und zugleich individuell femininen Standpunkt in der Gesellschaft einnehmen könnten, der ihrer Empfindsamkeit und Schutzbedürftigkeit wirklich gerecht wird?

Und nur um nicht falsch verstanden zu werden noch eine kleine Schlussbemerkung:

Ich sage nicht, dass die heutige Arbeitswelt für Männer wirklich das Gelbe vom Ei ist. Auch ihr werdet verheizt und ausgebeutet im Hamsterrad des globalen wachstumsirren Kapitalismus unserer Zeit. Auch wenn die Begründer dieses Systems männlich gewesen sind, trennt es uns im Grunde alle von einem gesunden, bedürfnisorientierten Lebenswandel.
Aber wenn wir schon dabei sind, eine neue Utopie entstehen zu lassen, in der jeder einzelne zufrieden leben und seinen Möglichkeiten entsprechend arbeiten und sich selbst verwirklichen kann, dann wäre es doch nicht gänzlich irrelevant festzustellen, dass Frauen und Männer verschieden „gebaut“ sind und demnach auch unterschiedliche Bedürfnisse für den Erhalt ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens haben? Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und wie empfindet ihr die Rolle der Frau in unseren modernen Zeiten? Wie echt ist die gelebte Gleichberechtigung wirklich und was brauchen Frauen sonst noch, um ihrem weiblichen Bauplan gemäß zu leben?

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