„Rufst du jetzt an?“ frage ich meinen Liebsten und lege ihm sein Handy und das Festnetztelefon hin. „Jetzt schon? Nee.“ bekomme ich als Antwort und lasse es erstmal gut sein. Es ist kurz vor neun am Montag Morgen. In mir herrscht ein Gefühl vor: Ungeduld. Aber worum geht’s eigentlich, fragt ihr euch?

Darum, dass wir noch immer in NRW festsitzen und statt unterwegs auf unserem Roadtrip zu den Gemeinschaften zu sein, auf die verzögerte Lieferung der neuen Speicherbatterie warten müssen.
Diesem logistischen Fauxpas verdanken wir, dass das erste Kennenlernen mit der Gemeinschaft am Schloss Tempelhof an deren Infotag nicht stattfinden konnte. Ob das gut oder schlecht ist, weiß ich noch nicht, jedenfalls haben wir die Kommunikation mit den Repräsentant_*innen dort und den unfreiwilligen Aufschub genutzt, uns noch mal etwas klarer darüber zu werden, was wir uns eigentlich für eine Form der Annäherung wünschen.

Es ist nämlich tatsächlich gar nicht so einfach, wie man vielleicht denken würde, den eigenen Tatendrang zu einem realen In-Kontakt-Kommen mit den Menschen zu verwandeln, die schon ein bisschen weiter auf diesem Weg gekommen sind als wir.
Die meisten halbwegs etabliert erscheinenden Kommunen haben nämlich auf ihrer Internetpräsenz sehr klare Definitionen darüber, wer wie und unter welchen Bedingungen willkommen ist.

Da geht es um so verständliche Dinge wie frühzeitige Anmeldung und dann auch meist um sowas wie zu leistende Stundenzahl als Gasthelfer_*innen und dazu gehörige Tagessätze für Unterkunft und Verpflegung. Alles Themen, die für uns bis zu einem gewissen Grade verständlich und nachvollziehbar sind, aber trotzdem wünschen wir uns irgendwie einen Funken mehr Offenheit, ein spürbar herzlicheres „Willkommen an alle, die unsere Vision gut finden und ein Leben in unserer Gemeinschaft in Betracht ziehen“ oder so in der Art.
Leider fehlt uns noch jegliche Erfahrung, ob die Abgrenzung, die im öffentlichen Raum wie einer Website gesteckt wird, im persönlichen Zusammenkommen auch wirklich so strikt ist. Oder ob es da doch Spielräume gibt für individuelle Lebenssituationen und persönliche Anliegen.

T und ich sind beide ja grundsätzlich sehr arbeitswillig, aber durch den Nachwuchs haben wir natürlich unseren eigenen kleinen Vollzeitjob im Gepäck. Außerdem wünschen wir uns einen etwas entspannteren Rahmen, ins gemeinsame Arbeiten und Austauschen zu finden, als täglich 6 Arbeitsstunden abzureißen. Durch unser Heim auf vier Rädern sind wir im Gegenzug ja auch eher unaufdringliche Gäste, denken wir. Zur Not können wir uns um alle persönlichen Bedarfe komplett autark kümmern, wenn wir uns natürlich auch freuen würden, wenn wir uns für einen fairen Preis mit den notwendigsten Sachen wie Lebensmittel oder Wasser innerhalb der Gemeinschaft versorgen könnten.

Letztendlich suchen wir einfach etwas anderes, als den vorherrschenden Mainstream, den Kapitalismus, das Eine-Leistung-im-direkten-Austausch-gegen-eine-gleichwertige-Leistung oder so ähnlich. Auch wenn es drum herum alles schön nachhaltig und grün ist, reicht uns dies nicht aus, um unsere Vision von einer neuen Gesellschaftsform zu beflügeln. Was nicht heißt, dass es in Zeiten des Aufbaus oder anderer finanzieller Zwänge Übergangsregelungen geben muss, die diesem alten System entsprechen oder daran angelehnt sind.

Denn natürlich leben wir alle nicht in einem luftleeren Raum und Geld ist und bleibt auch für Menschen, die nach und nach ihre eigene Souveränität und Autarkie vergrößern möchten, eine reale Notwendigkeit. Nichtsdestotrotz: im persönlichen Miteinander hoffen wir auf etwas weniger Quid-quo-pro und etwas mehr Offenheit, Vertrauen in das Geben- und Teilenwollen des Gegenübers. Oder wie Ecobasa es so schön nennt „eine Kultur von Unterstützung und Vertrauen“ und eine „globale Ökonomie des Schenkens“.

Aber um zu der Szene vom Anfang zurück zu kommen: Da wir von Tempelhof noch keine Rückantwort auf unsere individualisierte Gasthelfer-Anfrage erhalten haben, die benötigte Autobatterie nun aber definitiv morgen geliefert wird und wir somit ab Mittwoch startklar für den Aufbruch sind, haben wir uns nun dazu durchgerungen, auch ohne Rückantwort bereits eine zweite Gemeinschaft zu kontaktieren, und telefonisch anzufragen, ob wir zum Ende der Woche dort wohl aufschlagen könnten.

Wir wollen in einen herzlichen, unkomplizierten Austausch treten. Was wir nicht wollen, ist, uns als Kunden zu fühlen, die den „Dienstleistern“ etwas schulden, nur weil wir Interesse an ihrer Lebensform haben und uns ein persönliches Bild davon machen wollen um eine Entscheidungsgrundlage dafür zu haben, wo wir uns niederlassen sollen.

Ich kann zur Zeit noch in keinster Weise abschätzen, wieviele solcher Leute wie wir unterwegs durch die Gemeinschaften sind und welchen Arbeitsaufwand und welche Anstrengung es für die bestehende Gruppe bedeutet, diesen Menschen zu begegnen und gerecht zu werden.
Es spielt sicherlich eine Rolle, ob überhaupt noch der Wunsch da ist, dass neue Leute sich der Gemeinschaft anschließen sowie die Frage, welche anderen Personen auch noch Interesse an einer Zeit dort haben, zum Beispiel um sich vom Gemeinschaftsleben inspirieren zu lassen oder eine kurze Auszeit vom Alltag zu erleben. Ich hoffe, ich werde in den kommenden Wochen und Monaten Antworten auf diese Fragen erhalten.

Soweit also unsere Idealvorstellungen und die große Frage, wie finden wir jetzt einen Ort, an dem wir auf offene Ohren und Herzen damit treffen? Wir versuchen es nach dem ersten etwas unausgegorenen Versuch also mit direkter, telefonischer Kontaktaufnahme. Und da ich eher, na sagen wir mal etwas schwierig bin, was Telefonate im Allgemeinen anbelangt, ist diese Aufgabe meinem Liebsten zugefallen.

Dumm nur, dass ich trotz des Abgebens der Aufgabe an sich, derartig emotional beteiligt am Ausgang dieses Telefonats bin, dass ich es am liebsten sofort erledigt hätte. Total bescheuert, ich weiß.

Das Ende vom Lied war, dass T dann später angerufen hat und heute leider gar keine Telefonsprechzeit für Anfragen statt fand. Also verschiebt sich das Ereignis, welches über den Beginn unserer Orientierungsreise entscheiden könnte, welches uns zu einem ersten Hoffnungsschimmer in diesem Abenteuer verhelfen oder uns eine zweite Enttäuschung bescheren könnte, auf morgen Nachmittag. Dann müsste, wie wir inzwischen wissen, die Batterie angekommen und eingebaut sein und was uns dann nur noch fehlt, das ist das erste Reiseziel. Die erste Community, die das Potential birgt, unser neuer Lebensmittelpunkt zu werden.

Da ist so ein klein wenig Ungeduld doch verständlich, oder was denkt ihr?

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