Unser kleiner Innenarchitekt

Es lässt sich nicht mehr leugnen: unser Kind wächst zu einer eigenständigen Person heran mit eigenen Ideen, Vorstellungen und Wünschen. Dies zu beobachten ist unglaublich beglückend und an manchen Tagen auch unglaublich anstrengend. Vor allem dann, wenn die Vorstellungen zur idealen Raumgestaltung sehr stark voneinander abweichen.

Natürlich gibt es immer noch jene geruhsamen Phasen, wo wir entspannt nebeneinander her arbeiten oder gemeinsam etwas spielen. Beliebt sind für solche „ruhigen Beschäftigungen“ vor allem der kinetische Sand (Danke, Oma und Opa!) und die Maus-Puzzle.

Aber immer öfter braucht mein Junge PLATZ.
Platz, um aus Möbeln und Gegenständen neue Welten entstehen zu lassen. Ein Boot, ein Zeppelin, ein Heißluftballon.

Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird bewegt, zusammen getragen, umarrangiert. Was eben noch ein Durchgang war, ist nun unbetretbares Arbeitsfeld. Der Küchenboden ist urplötzlich nur noch eine vage Erinnerung.

Mein Kind braucht Platz um sich zu bewegen, zu balancieren, zu klettern, zu verschieben und zu verändern. Raum, um seine körperlichen Fähigkeiten zu erproben und zu erweitern. Bei dem Winter-Matsche-Wetter geht das draußen gerade nicht so besonders toll.

Also verwandelt sich mein aufgeräumter Erwachsenen-Lebensraum in regelmäßigen Abständen ins pure Chaos. Und mein Junge freut sich: „Ich habe das hier verschönert!“
Ich gönne es ihm, ich versuche mich von seiner Schaffensfreude anstecken zu lassen und über die Mühe hinweg zu sehen, die das Aufräumen dieser unübersehbaren Kinderspuren mit sich bringt.

Meine eigenen Grenzen versuche ich ebenfalls auszuloten. Was ist mir zuviel? Wann ist der Punkt überschritten, den ich tolerieren kann? Wie gelingt mir die liebevolle Führung, um mein Kind hinterher wieder zum Aufräumen zu bewegen?
Wenn ich doch mal gereizt und ärgerlich werde, dann heißt das, ich habe diese meine eigene Grenze zu spät gespürt oder zu spät eingefordert. Mein Unmut richtet sich gegen mich selbst: mein eigenes Nicht-für-mich-gesorgt-haben und sicher nicht gegen mein Kind, das da in voller Entdeckerlaune gerade die Wohnung binnen weniger Minuten vollständig umdekoriert hat.

Ich versuche seinem Bewegungsdrang anderswo die Chance auf Ausleben zu geben. Ganz toll gefallen hat mir kürzlich der Besuch im Strandgut in Schöneberg. G verbrachte eigentlich den größten Teil der Zeit im Stroh-Zimmer. Dort konnte er balancieren, rutschen und mit Hilfe der Körbe und Taschen Stroh herum tragen, welches schnell zu allerlei Einkaufsschätzen wurde.

Und ich konnte mich zurück lehnen und ihm entspannt beim Erproben zusehen. Ich musste ja diesmal nicht aufräumen … ;o)

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