Oh du Fröhliche – ein Perspektivwechsel

Die Weihnachtszeit ist auch in diesem Jahr voll von aufregenden Überraschungen, zauberhaften Erscheinungen und gespannter Vorfreude samt Reiseplanung für die eigentlichen Feiertage. Was uns Erwachsenen meist viel Freude bereitet und positiv besetzt ist, kann hingegen bei unseren kleinen Schutzbefohlenen einen großen Verlust von Stabilität und Sicherheit bedeuten.

Nachdem sich G in der vergangenen Woche unerwartet schwer damit tat, in den Kindergarten zu gehen, fragte ich dann doch mal bei seiner Erzieherin nach, ob ihr kürzlich eine Veränderung an ihm oder an den anderen Kindern in der Gruppe aufgefallen sei. Und tatsächlich scheint es, als wenn die Kinder zur Zeit insgesamt deutlich gestresster und unruhiger sind als normalerweise.
Ein Hauptgrund ist aus Sicht der Erzieherin die Adventszeit mit all ihren Ereignissen und Aufregungen. Die Kinder seien „einfach durch mit den Nerven“ und bei genauerer Betrachtung macht das absolut Sinn.

Während uns „Großen“ die Abwechslung und der ganze Trubel rund um die Weihnachtsfeiern, das Adventskalender-Öffnen oder den Nikolaustag erfreuen, bedeuten sie für die Kinder eine stetige Überreizung ihres Systems. Der Verlust bekannter Abläufe und Routinen bewirkt einen Verlust an Vorhersehbarkeit und somit an Sicherheit.

Das Warten auf Weihnachten, die Vorfreude und Aufregung, die wir empfinden, weil wir aus Erfahrung wissen, dass schöne Dinge vor uns liegen, bedeuten für kleine Kinder schnell das genaue Gegenteil. Für die Kinder sind all die Festlichkeiten, die Weihnachtsmarktbesuche, die Familienfeiern in dieser Zeit noch völliges Neuland und damit grundsätzlich mit dem Potential behaftet, Angst und Unsicherheit auszulösen. Ein freier Fall ins Unbekannte sozusagen.

Dies im Kopf zu behalten kann helfen, unsere Kleinen etwas besser zu verstehen und stressigen Situationen rund um Weihnachten vorzubeugen.

Hier sind die wichtigsten Punkte meiner Strategie für die kurz bevor stehende Ferienzeit, in der bei uns persönlich zwei kurze Reisen und eine Familienfeier im eigenen Hause auf dem Programm stehen werden:

1. Die Bedürfnisse und den Rhythmus meines Kindes berücksichtigen

Wie gesagt, werden wir ein paar Tage unterwegs sein, um die Familie in NRW zu besuchen und dort Weihnachten zu verbringen. Ganz sicher werden unsere Tage deutlich von dem Abweichen, was wir hier zu Hause als Alltag kennen. Das bedeutet aber nicht, dass ich deshalb gleich unseren gesamten Rhythmus über Bord werfen und mein Kind und mich mit übermäßig vielen Aktivitäten und Treffen überfrachten möchte.
G´s Schlafenszeiten haben bei uns einfach Priorität, denn ausreichend Schlaf und ein gewohnter Tagesrhythmus sind die Grundpfeiler dafür, dass G dann auch mit den Anforderungen unterwegs zurecht kommen kann.

Ich werde nicht zögern, G bei Bedarf „aus dem Verkehr zu ziehen“, wenn ich spüre, dass er überreizt ist und eindeutig eine Ruhephase braucht. Das kann auch einfach mal eine Auszeit in Form von einer viertel Stunde Kuscheln und Buchlesen heißen oder dass wir uns schon vor der eigentlichen Schlafenszeit auf unser Zimmer begeben, um die Erlebnisse zu verarbeiten und runter zu kommen.

2. Eigenen Stress reduzieren

Glücklicherweise haben wir in unserer Familie die Verabredung, dass wir uns unter den Erwachsenen nichts mehr zu Weihnachten schenken. Dies verringert meinen Stresspegel vor den eigentlichen Festlichkeiten ungemein.
Für die Tage bei meinen Schwiegereltern werde ich mir auch kein komplett veganes Alternativ-Essen vorplanen. Ich werde versuchen, so vegan wie möglich zu essen, aber für die drei Tage im Hause der Familie setze ich mich nicht zusätzlich unter den Druck, meinen hohen Anspruch auch hundertprozentig erfüllen zu müssen.

3. Tendentiell stressbehaftete Ereignisse möglichst gering halten

Wenn mir eine angedachte Aktivität schon von vornherein zu unpassend erscheint, sage ich das lieber direkt. So wurde das geplante Essengehen am ersten Weihnachtsfeiertag unseretwegen von 18 Uhr 30 bereits auf 17 Uhr 30 vorverlegt, damit wir daran teilhaben können und G die Chance hat, in dieser Situation auch klar zu kommen ohne aus Übermüdung und Erschöpfung völlig am Rad zu drehen. Das bin ich ihm aus meiner Sicht schuldig und verstehe es als respektvoll meinem Kind gegenüber, es vor Situationen zu beschützen, in denen es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wohlfühlen wird. Das Wohlergehen meines Kindes hat für mich da oberste Priorität. Auch auf die Gefahr hin, mit dieser Strategie mal hin und wieder anzuecken, stehe ich einfach absolut dahinter, auf mein Kind Rücksicht zu nehmen, wenn ich es für nötig erachte.

Auch plane ich das Auswärts-Essen so, dass wir jederzeit die Möglichkeit haben uns abzuseilen und mit dem Auto zurück zu fahren. Da es für G´s Verhältnisse immer noch eine sehr späte Unternehmung ist und er im Restaurant auch mit einigen Einschränkungen rechnen muss, was sein Explorationsverhalten angeht, werde ich sehr wachsam sein und im Zweifelsfall lieber abbrechen, als auf seine Kosten den Abend „durchzuziehen“.

4. Mein Kind so gut wie möglich vorbereiten ohne es zu verängstigen

Aus meiner Erfahrung mit G kann ich sagen, dass ein wenig lockere, unbeschwerte Aufklärung und Vorbereitung bei großen Ereignissen Wunder wirken. Ich versuche G möglichst viele Details, zu denen er einen Bezug hat, aufzuzählen, wenn wir über unsere Reisepläne sprechen. Zum Beispiel von der Zugfahrt (Freitag früh nach dem Frühstück fahren wir los) und wer uns am Bahnhof abholt und wie wir dann zu Oma und Opa nach Hause gelangen.
Ich erzähle, dass Tante und Onkel dabei sein werden und wo wir schlafen (im Propellerzimmer). Ich versuche möglichst gelassen zu bleiben und auch wenn ich selbst Vorfreude empfinde, diese nur sehr gedämpft durchdringen zu lassen, um die Spannung nicht unnötig nach oben zu treiben.

Das alles mag vielleicht ein wenig übertrieben anmuten, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass G bisher mit den meisten ungewöhnlichen Erlebnissen und Reisen deshalb so gut zurecht kam, weil ich diese Punkte beherzigt habe. Es ist für mich Ausdruck meines Respekts meinem Kind gegenüber, so voraus zu schauen. Und am Ende profitieren wir schließlich alle von einem glücklichen, entspannten Kind, das die Feiertage mit den Großeltern in vollen Zügen genießen kann.

Wie ist das bei Euch? Merkt Ihr auch gewisse Veränderungen am Verhalten Eurer Kinder in dieser spannenden Zeit? Und wenn ja, welche Tips habt Ihr noch für eine wunderschöne, beglückende Weihnachtszeit? Eine solche wünsche ich Euch allen natürlich von Herzen!

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