Mutter´s Bauchgefühl

Anfang letzter Woche ist mein Kind auf Kinderladenreise gefahren. Es verbrachte von den geplanten 80 Stunden etwa 14 Stunden entfernt vom elterlichen Hafen, dann reichte es ihm allerdings mit der Trennung auf Probe und T und ich heizten durch den brandenburgischen Sonnenuntergang, um unseren Lütten so schnell wie möglich wieder in unsere Arme zu schließen.

Wie konnte es dazu kommen, fragt Ihr Euch jetzt vielleicht? Einen noch nicht mal dreijährigen Jungen auf eine Übernachtungsreise zu schicken, ist doch so gar nicht unsere Art! Das stimmt. Und bei den insgesamt drei Gesprächen zum Thema Kinderladenreise, die unsere Erzieherinnen seit Februar initiiert hatten, kamen wir meiner Meinung nach auch jedesmal zu dem Konsens, dass wir es noch zu früh finden, G dorthin mit zu geben.

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Irgendwie ließen zwei der Erzieherinnen aber einfach nicht locker und sprachen ein paar Tage vor der Abfahrt das Ganze noch einmal an. Zuerst war ich nur verwirrt, dass ich jetzt (schon wieder?) entscheiden soll, ob mein Kind auf dem Gutshof übernachten soll oder nicht. Ich fragte mich natürlich auch, warum es den beiden denn so wichtig war, dass G komplett an der Reise teilnehmen sollte. Vielleicht war meine mütterliche Sicht ja doch etwas zu subjektiv und überprotektiv gefärbt und die zwei sahen etwas in meinem Kind, was ich (noch) nicht sah?

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich willigte also kurzfristig doch noch ein, und packte mit G gemeinsam den Koffer. Ich versicherte ihm, dass er jederzeit Bescheid sagen darf, wenn er Angst bekommt oder nach Hause möchte und ich hatte auch den Eindruck, dass er diesen Teil einigermaßen verstanden hatte.

Am Montag letzte Woche war es dann soweit: Ich brachte G mit Sack und Pack zum Kinderladen und begab mich in einen kinderfreien Tag. Das war schon irgendwie ulkig. Anstatt meine mega To-Do-Liste abzuarbeiten, verfiel ich in eine komplette Lethargie und verbrachte fast den kompletten Tag Serien schauend auf der Couch. Das tat mal so richtig gut, kann ich Euch sagen!

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Am Abend wurden T und ich schon etwas unruhig. Ursprünglich war der Plan mal gewesen, G gegen 18/19 Uhr mit unserem eigenen Auto abzuholen. Statt dessen kuschelten wir jetzt weiter auf dem Sofa und schauten abwechselnd etwas nervös auf die Uhr. Irgendwie glaubten wir beide nicht so richtig daran, dass wir noch lange ungestört so hier herum sitzen würden. Aber wir sagten uns „Wer, weiß!“ Vielleicht unterschätzten wir G ja beide total und in der Gruppensituation mit all den anderen Kindern werden die Kleineren ja manchmal doch mitgezogen und wachsen über sich hinaus.

So war es allerdings dann doch nicht ganz. Um viertel vor Neun kam der Anruf, wir sollten G doch bitte abholen kommen. Er hatte keinen Mittagsschlaf gemacht, aber einschlafen konnte er trotz völliger Übermüdung nicht ohne uns. Wir machten uns sofort auf den Weg und T drückte ordentlich auf die Tube, damit wir unseren kleinen Schatz so schnell wie möglich erreichen würden.

Auf dem Hof angekommen, fanden wir dann ein kurz zuvor eingenicktes Kindelein vor, welches aber dann doch wieder aufwachte und erst am Ende der anderthalbstündigen Autofahrt endgültig in den Nachtschlaf sank.

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Alles in allem habe ich folgendes aus diesem Erlebnis gelernt: Mein Bauchgefühl stimmte doch besser, als ich befürchtet hatte. Ich werde mich da in Zukunft hoffentlich nicht mehr so verunsichern lassen.
Dass G dieses aufregende Ereignis gut verkraftet hat, habe ich ihm von Anfang an zugetraut (sonst hätte ich es auch sicher nicht riskiert, den Versuch zu starten).

Ich bin froh, dass ich die Bestätigung erhalten habe, dass ich mein Kind am allerbesten kenne und weiß, wieviel ich ihm zutrauen kann. Zusätzlich erinnerte ich mich an Situationen, in denen ich von meinen Eltern abgeholt wurde, weil es mir nicht gut ging – und diese Erlebnisse habe ich durchweg positiv in Erinnerung, auch wenn vorher negative Emotionen aufgetreten sind. Das Abgeholtwerden stärkt aus meiner Sicht das Vertrauen und die Bindung zu den Eltern und es wäre auch irgendwie schade, wenn mein Kind so etwas nicht erleben dürfte aus der Angst heraus, es könnte ihm bei einer bestimmten Unternehmung schlecht ergehen.

Ich würde behaupten, ich bin keine Helikopter-Mom, die jedes Leid und jede unangenehme Situation von ihrem Kind fern halten möchte. Aber das nächste Übernachtungsabenteuer werde ich nach unserer jetzigen Erfahrung genau dann ausprobieren, wenn G von sich aus danach fragt und es sein eigener Impuls ist, etwas derartiges zu versuchen. Ich denke vorher macht es keinen Sinn, denn so ein kleines Kind kann die Tragweite der Unternehmung und die Emotionen, die dabei auftreten können, vorher überhaupt nicht beurteilen.

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