Erste Schritte für das Kochen mit Kleinkindern

Im weltweiten Netz finden sich zahlreiche Anregungen zum Kochen mit kleinen Kindern. Ich habe auf diese Weise viele hilfreiche Ideen aufgegriffen, zum Beispiel welche Materialien und Utensilien sich eignen und wie man einen kindgerechten Platz in der Küche einrichtet. Aber die praktische Umsetzung ist dann doch manchmal schwieriger als ich dachte.

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Eine vorbereitete Umgebung ist sicherlich ein wichtiger Baustein, der das Einbinden des Kindes in die Küchenverrichtungen enorm erleichtert. So hat G bereits seit über einem Jahr seine eigene Küchenschublade und eine Mini-Küchenzeile zu seiner freien Verfügung. Doch damit ist es nicht getan. Wenn die Materialien bereit liegen, braucht man als Erziehende_*r noch eine ordentliche Portion Vorstellungskraft, um sich in sein Kind hinein zu versetzen sowie Beobachtungsgabe und Feingefühl, um dem Kind die „richtigen“ Herausforderungen anzubieten.
Das heißt für mich konkret, dass ich kontinuierlich versuche, G´s Interessen, seine motorischen Fähigkeiten und seinen allgemeinen Entwicklungsstand in angemessener Weise beim gemeinsamen Tun zu berücksichtigen.

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In der ersten Zeit bot ich G regelmäßig verschiedene „Übungen des täglichen Lebens“ an. Ich wollte ihm auf diese Weise immer wieder neue Möglichkeiten schaffen, Handgriffe zu üben, die er für das spätere Mitarbeiten in der Küche benötigte. Übungen zum Löffeln oder Schütten reizten ihn -bis auf ganz wenige Ausnahmen- im gesamten zweiten Lebensjahr nur sehr bedingt. Nach wenigen Wiederholungen, manchmal schon nach dem ersten Versuch wurde das Material komplett links liegen gelassen, was bedeutete, dass meine Überlegungen und Vorbereitungszeit deutlich länger dauerten, als G die Anregungen überhaupt nutzte.

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Statt dessen war er von Anfang an Feuer und Flamme für jegliche Arten von Gießübungen mit unterschiedlichen Flüssigkeiten. So begann für mich also eine lehrreiche Zeit des Sich-zurück-Nehmens, des Kind-den-Weg-weisen-Lassens und des Hinterher-stoisch-Aufwischens.

Ein bemerkenswertes Resultat war, dass sich G schon mit weniger als anderthalb Jahren selbständig ein Getränk eingießen, aus dem Glas trinken und eigenständig aufwischen konnte, wenn etwas daneben gegangen war. Das war schon sehr beeindruckend für mich mit anzusehen. (Kleine Anmerkung am Rande: Es geht mir ehrlich nicht darum, dass (m)ein Kind schon möglichst früh möglichst viel „können“ sollte, aber ich fand es einfach erstaunlich, dass sich so ein junges Kind diese Fähigkeiten schon aneignen kann. Das hatte ich vorher nicht für möglich gehalten.)

Zu dieser Zeit fing ich auch an, den Kleinen immer mehr in der Küche mit einzubeziehen. Zunächst ging es erstmal darum, meinem Kind zu signalisieren, dass es herzlich willkommen ist und ich mir gerne die Zeit nehme, ihn teilhaben zu lassen. Außerdem sammelte G reichlich Sinneserfahrungen bei den ersten Begegnungen mit Lebensmitteln in ihrer unverarbeiteten Form: Ansehen, Fühlen und Betasten, Riechen und natürlich auch das Schmecken. Das gerichtete Tun, also der Impuls am zielorientierten Kochwerk teilzunehmen, das passierte erst deutlich später. Nichtsdestotrotz gab es immer wieder kleine Momente, in denen ich G aktiv mithelfen lassen konnte, ohne den Eindruck zu haben, ihn damit zu sehr aus seinem sinnlichen Erfahren heraus zu reißen.

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Üblicherweise bereitete ich dann während seines Mittagsschlafes den Arbeitsplatz vor, so dass wir ohne große Verzögerung ins gemeinsame Werkeln kommen konnten. Denn schwierig wurde es immer dann, wenn G länger auf den nächsten Schritt warten musste oder nichts für ihn zu tun war. Da landete dann schon eher mal etwas auf dem Boden oder der gesamte Schüsselinhalt auf der Arbeitsplatte.

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Ich versuchte, das Kochen (oder Backen) auf die kleinstmöglichen Tätigkeitsschritte runter zu brechen und überlegte, welche davon G unter Anleitung tatsächlich schon ausführen könnte.

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Manchmal fiel mir einfach nichts ein, was er wirklich machen könnte, dann bekam er eine „Extra-Aufgabe“, wie zum Beispiel das von mir geschnittene Gemüse von Gefäß A nach Gefäß B zu befördern. Oder Zutaten umrühren, die eigentlich eh gemeinsam in der Pfanne landen würden. Aber es waren oftmals diese kleinen Spezialaufgaben, die der Kleine bewältigen KONNTE und auch WOLLTE, weil es gerade in seinem Lerninteresse lag.

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Wenn ich mit G zusammen in der Küche stehe, bevorzuge ich übrigens unsere große Arbeitsfläche. Deshalb haben wir uns schon früh dafür entscheiden, einen Lernturm zu bauen. G war damals etwas über ein Jahr alt und ich kann nur sagen, die Mühe hat sich voll und ganz gelohnt, denn der Lernturm ist nun seit anderthalb Jahren fast jeden Tag in Gebrauch und erleichtert mir das Arbeiten in der Küche mit meinem Kleinen ungemein.

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Ich genieße die gemeinsame Zeit sehr und versuche, sie so gut es geht auszukosten. Inzwischen wird G ja immer selbstständiger und hat auch total viel Freude am Backen und Kochen.

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Das Vorbereiten der Arbeitsfläche und Materialien ist nun nicht mehr ganz so anspruchsvoll, denn ich traue ihm quasi von Tag zu Tag mehr zu und liege damit meistens richtig. Schließlich wird er ja immer verständiger und ist meistens recht geduldig und besonnen bei der Arbeit.

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Die Küche ist ein ganz fantastischer Ort, Seite an Seite mit seinem Kindlein zu arbeiten und am Ende gibt es für alle auch noch ein sicht-, greif-, riech- und schmeckbares Ergebnis der aufgebrachten Mühe. Ich hoffe, G´s Lust am Kochen bleibt noch lange erhalten, denn durch ihn erlebe ich die profanen Handgriffe auch wieder von Neuem und fühle das Wunder des Schaffens und Kreativseins gemeinsam mit ihm.

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So leistet jede_*r von uns einen wichtigen Beitrag zum Wohle unserer kleinen Familie und darauf kann auch ein_*e Zweijährige_*r schon sehr stolz sein.

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One Reply to “Erste Schritte für das Kochen mit Kleinkindern”

  1. Kochen mit Kindern kann so toll sein. Dafür sollte man einiges vorbereiten. Die Küche sollte gut aufgeräumt sein, alle gefährlichen Gegenstände sollten beiseite geräumt sein. Dann kann das super laufen.

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