Die Fülle der Erde

In der vergangenen Woche war ich ausnahmsweise nicht auf dem Acker. Erstens waren wir alle mehr oder weniger stark erkältet, und zweitens folgte ein regnerischer Tag auf den nächsten. Mit kleiner Schnoddernase anbei also keine optimalen Bedingungen für die Gärtnerei. Umso überraschter war ich jetzt, als ich nach einer guten Woche Ackerabstinenz ans Feld zurück kehrte.

Im Gartentelegramm hieß es bereits vor wenigen Tagen, der Kohl müsse geerntet werden und auch die Erbsen seien schon reif. Hinzu kam, dass ich noch mindestens einen fertigen Salatkopf übrig hatte. So fühlte ich mich im ersten Moment fast ein wenig überfordert von der plötzlichen Fülle, der ich mich plötzlich am Feldesrand gegenüber sah.

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Heute war ein strahlender Sonnentag und das Kindelein wurde von den Großeltern an der Havel entlang geführt. So konnte ich in der Wärme und an der frischen Luft ans Werk schreiten.

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Und wie ich da hockte, mir der Kraft der Erde (und der Sonne, des Wassers, der Kleintiere usw.) bewusst wurde und eine Zuckerschote nach der anderen abpflückte – da überkam mich ein unglaublich starkes Gefühl der Rührung und Ergriffenheit.

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Ich fühlte mich ein Stück mehr verbunden mit allem: mit dem Boden und den Elementen, die mich versorgten; mit unserem Traum vom eigenen Land und dem Selbstversorgen; mit der Gemeinschaft der Bauerngärtner_*innen, die hier auf dem Ackerkreis arbeiteten und die Früchte ihrer Mühen ernten konnten.

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Tatsächlich gibt es hier mit einem Mal viel mehr zu essen, als ich direkt für unsere kleine Familie benötige und zum Kochen brauche. Damit habe ich nicht gerechnet – schließlich haben wir ja extra nur eine kleine Parzelle gemietet. Und nun darf ich mit Dankbarkeit diese Gaben der Natur annehmen und schauen, dass ich alles verarbeitet bekomme.

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Also gibt es in den nächsten Tagen einige frische Lebensmittel auf den Tisch und den formschönen Spitzkohl habe ich direkt blanchiert und nach dem Abschrecken im Tiefkühlfach eingelagert, damit die Frische erhalten bleibt und wir ihn demnächst dann auch noch genießen können.

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Das war mein persönlicher erster Kontakt mit einem echten Ernte-Dank-Gefühl. Unbeschreiblich schön, sich auf dem richtigen Weg zu befinden. Ich musste auch noch an meine Lieblings-Tarot-Karte denken:

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Gewöhnlichkeit:

„Diese Gestalt, die hier die herrliche Landschaft genießt, zeigt uns, dass man Schönheit in ganz einfachen, gewöhnlichen Dingen des Lebens finden kann. Wie oft wissen wir die Schönheit der Welt, in der wir leben, nicht zu schätzen! Ob wir die Wohnung putzen, im Garten arbeiten oder Essen kochen – die ganz gewöhnlichen Aufgaben des Alltags werden zu geheiligten Handlungen, wenn du sie mit totaler Hingabe, mit Liebe und um ihrer selbst willen tust, ohne an Anerkennung oder Belohnung zu denken.[…]“

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