Wieviel kostet ein nachhaltiges Leben?

Ein Bekannter hat mich kürzlich gefragt, ob es nicht unglaublich teuer wäre, wenn ich mein Leben jetzt von Grund auf nachhaltiger gestalten möchte.

Ehrlich gesagt, hat mich diese Frage erstmal irritiert und ich habe reflexartig abgewehrt und geantwortet, dass ein nachhaltig geführtes Leben eindeutig weniger Geld kosten müsse als der bislang gewohnte Lebensstil.

Denn worum es mir bei der Idee von mehr Nachhaltigkeit geht, ist vor allem dies:

  • den Konsum minimieren, mit weniger zufrieden sein
  • vorhandenes Material effektiv ausnutzen, Recycling und DIY in meinen Alltag integrieren
  • wenn Anschaffungen nötig sind, möglichst oft die Second-Hand-Variante priorisieren
  • die Ressourcen der Erde schonen, Umweltverschmutzung so gering wie möglich halten
  • so viel wie möglich ökologisch wertvolles Essen verzehren (bio), immer mehr von vegetarisch auf vegan umsteigen
  • auf lange Sicht einen Großteil der Lebensmittel selbst anbauen und einlagern sowie Energie aus Sonnen- und evtl. auch Wasserkraft generieren

Ich erhoffe mir dadurch, Natur, Tieren und Menschen das geringstmögliche Leid zuzufügen und den nachfolgenden Generationen eine Erde zu hinterlassen, auf der man auch in Zukunft leben und sich mit den notwendigen Dingen selbst versorgen kann.

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Das sind also meine wichtigsten Ziele, die ich unbedingt erreichen möchte. Wenn ich mir das so anschaue, dürfte mich das von meinem jetzigen Ausgangspunkt eigentlich vorerst nicht in höhere Kosten stürzen als bisher.

Allerdings ist die Frage nach dem Ausgangspunkt sicher eine berechtigte und sollte genauer betrachtet werden. Mein persönlicher Ist-Zustand sieht momentan so aus:

Ich habe mehr Zeugs als ich benötige und begebe mich allmählich auf den Weg des Ballast-Abwerfens, anstatt notwendige Dinge entbehren zu müssen.

Meine Kleidung habe ich in den letzten Jahren zum großen Teil bei einschlägigen Herstellern gekauft, die laut ihrer Imagebroschüre selbst wert auf Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen legen. Was da unterm Strich für Mensch, Tier und Pflanze heraus kommt, weiß ich natürlich nicht. Aber ich fühle mich wenigstens etwas besser damit, als mir regelmäßig neue Plastik-Klamotten für 5 Euro bei einem der zig Kleidernazis im Einkaufszentrum zu besorgen. Diese sind kurzfristig gedacht zwar günstiger für meinen Geldbeutel, doch kann ich die damit zu 100% verbundene Ausbeutung an Mensch und Umwelt nicht mehr ertragen und verzichte weitesgehend auf diese Versorgungsquelle.

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Unser Essen ist zu etwa 50% aus dem Biomarkt, der Rest aus verschiedenen Supermärkten. Dort kaufen wir auch viel hauseigene Bio-Marken. Wieviel Bio da noch drin steckt, vermag ich wiederum nicht zu sagen, aber noch schlimmer fände ich es, der Massentierhaltung und dem Giftackerbau sehenden Auges das Geld hinterher zu schmeißen.

Außerdem haben wir in der Vergangenheit schon einige Anschaffungen getätigt, die uns jetzt auf unserem Weg gute Dienste leisten, wie zum Beispiel ein leistungseffizienter Kühlschrank, ein starker Mixer, unsere Fahrräder und nun der Fahrradanhänger für unseren Kleinen.

Wir rauchen nicht, trinken so gut wie keinen Alkohol, schränken unnötigen Konsum ein, so gut wir es schaffen (einer der schwierigsten Punkte, muss ich zugeben. Die Gehirnwäsche der letzten 30 Jahre hat ihre Spuren hinterlassen) und versuchen auch sonst, die Ausgaben gering zu halten. Im Moment sind Lebensmittel eindeutig die größte Ausgabe. Dies ist aber tatsächlich schon länger so und bedeutet für uns persönlich keine große Umstellung. Außerdem gibt es da bei Bedarf auch sicher Möglichkeiten der Kostenminimierung, wie ihr hier zum Beispiel nachlesen könnt.

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Das heißt, von unserem Status quo aus betrachtet, sollte ein Umdenken und Handeln zugunsten der Umwelt und unseres Lebensraumes eigentlich eher Geld einsparen und Energien frei setzen, die vorher nicht genutzt worden sind.

Viele Leute träumen vom eigenen Haus und eigenem Grundstück. Bei uns geht der Traum halt ein bisschen weiter, wir wünschen uns eigenes Ackerland und eine vernünftige Stromversorgungslösung, um uns aus der vorherrschenden Entmündigung und Unterdrückung durch ausbeuterische Großunternehmer_*innen zu befreien.

So braucht es auf unserem Weg doch einen gewissen finanziellen Handlungsspielraum, um uns aus den Klauen des Systems freizukaufen. Aber dafür arbeite ich dann wirklich gern, weil ich weiß, wofür ich es mache und was ich am Ende davon haben werde. Dieses Ziel zu erreichen, in einer Gemeinschaft zu leben, die durch das Miteinander getragen wird und die im Einklang mit der Erde und ihren Bewohnern steht, dafür ist mir kein Preis zu hoch.

Momentan befinde ich mich natürlich noch ganz am Anfang dieses Weges. Es fühlt sich alles noch kompliziert und schwierig an. Alte Gewohnheiten und Verhaltensmuster aufzugeben, raus aus der Komfortzone zu kommen, kann anstrengend sein. Es tut wirklich gut zu wissen, dass man nicht alleine ist mit dieser Art Gedankengut ist und man nicht jedes Zahnrädchen bis ins Detail neu erfinden muss.

Ein Kommentar bei „Wieviel kostet ein nachhaltiges Leben?“

  1. Hallo Jitka,

    wir haben uns riesig gefreut, dass Du in Deinem Beitrag auf unseren FindingSustainia Selbstversuch „bio on a budget“ hinweist.
    Es gibt so viele gute Tipps und gemeinsam ist das gute und ressourcenschonende Leben viel leichter zu erreichen als man gemeinhin so denkt…

    Allerbeste Grüße
    Anna

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