Bilanz Babyturnen

Im ersten Lebensjahr habe ich mit meinem Kind keinen einzigen Kurs besucht. Auswahl hat man in der Großstadt reichlich: von Rückbildungsgymnastik mit Baby, über Babymassage, Babyschwimmen,
Baby-Krabbel-Gruppen unterschiedlichster Couleur ist eigentlich alles dabei.

Tatsächlich war und bin ich der Meinung, dass all diese Angebote nette Treffpunkte für die Mütter/Väter darstellen, ein kleiner Säugling aber in aller Regel keine derartigen Gruppen benötigt, um sich gesund zu entwickeln. Da sind andere Dinge viel entscheidender…

Als G 13 Monate alt war, begannen wir einen Pikler-Spieltreff zu besuchen und sowohl die Gruppe als auch die Räumlichkeiten haben mir sehr gut gefallen und auch G hat dort mal mehr, mal weniger freudvoll teilgenommen.

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Nach weiteren 4 Monaten hatte ich den Eindruck, dass G doch ein wenig mehr Abwechslung vertragen könnte und bin nun seit etwa einem halben Jahr einmal in der Woche zum Babyturnen gegangen.

Insgesamt war es zwar eine wirklich nette Location, aber ein bißchen unnatürlich finde ich die ganze Situation dort schon.

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Da kommt also eine Handvoll Mütter (oder seltener Väter / Großeltern) mit ihren Kindern angefahren. Etwa 90 Prozent benutzen ihr Auto. Neben einer anderen Mutter, die ich in diesem Kurs auch mit dem Kinderwagen herlaufen sah, bin ich die einzige, die a) ihr Fahrrad, b) den Bus oder c) mal die eigenen Füße benutzt. Und ich bin mir sicher, dass liegt nicht daran, dass die anderen alle keine Alternativen hätten.

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Den Kindern scheint es schon ganz gut zu gefallen. Aber ist die Bewegung in einer vorgegebenen Stunde, jenseits von natürlichen Lebensräumen und in einem Mikrokosmos aus grell buntem Plastik wirklich artgerechte Haltung???
Genau so, wie die Erwachsenen dann später mit dem Auto zum Fitness-Studio kutschieren, um dort auf künstlichen Maschinen ihre körperliche Gesundheit zu verbessern. Letzteres habe ich selbst 2 Jahre lang gemacht und fand es einerseits gut, meinen Körper zu spüren und Sport zu treiben. Andererseits wurde ich das Gefühl des Hamsters im Rad nie so richtig los.

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G war jedenfalls zu Anfang ziemlich überwältigt von den ganzen Eindrücken und hat sich nicht viel von der Stelle bewegt. Mittlerweile ist er manchmal etwas aktiver, aber er beschränkt sich doch häufig auf ein, zwei Lieblings-Gegenstände (Gymnastikball und Houlahoup-Reifen) mit denen er sich ausgiebig beschäftigt. Seine Haltung und Mimik verraten meist eine gewisse Distanz zu dem verrückten Geschehen um ihn herum und nach einer Stunde signalisiert er mir auch fast immer, dass er jetzt gehen möchte.

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In wenigen Wochen beginnt bei uns nun die Eingewöhnungsphase im Kinderladen. Ab dann werde ich keinerlei zusätzliche, feste Termine planen. Die Reize und Erlebnisse an den Vormittagen sollen dann nachmittags auch verarbeitet werden können, frei von Termindruck oder unnötigem Aktionismus.
Und ich glaube, falls ich das Gefühl bekomme, G braucht zusätzliche Erlebnisse, werde ich diese in Zukunft besser in der Natur suchen, anstatt ihm vorzuleben, dass es normal und gesund ist, sich regelmäßig in einem überdimensionierten Legokasten aufzuhalten.

Was meint ihr zu dieser Art der Kinderbeschäftigung? Harmloser Zeitvertreib oder jenseits von artgerechter Haltung?

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