Generation mindful – Achtsame Elternschaft

Auf meiner mittlerweise sechseinhalb Jahre andauernden Reise als Mutter habe ich schon so einige Stationen besucht. Bei manchen von ihnen bin ich ausgestiegen und länger geblieben, ja besuche sie immer wieder gerne neu. Andere habe ich eher zufällig entdeckt, während ich auf dem Weg woanders hin gewesen bin. An vielen dieser Stationen habe ich mir Souvenirs in die Tasche gesteckt, die mir tagtäglich Kraft und Inspiration verleihen, mich immer wieder aufs Neue der Herausforderung einer bewussten und achtsamen Elternschaft zu stellen.

Ganz zu Anfang meiner Elternzeit besuchte ich Maria Montessori. Ihre Sicht auf die Kinder fesselte mich, ließ eine Saite in mir anklingen, die ganz laut und stark tönte und nicht mehr verstummen wollte. Dort nahm ich unglaublich viele Ideen für eine kindgerechte Umgebung und das Einbinden des Kindes in den Alltag mit.

Bei Emmi Pikler und Rudolf Steiner sah ich dann das Kind wieder mit neuen Augen. Respekt und Achtung waren sicherlich dieselbe, aber der Fokus lag neben der so wichtigen Autonomie und Selbstständigkeit auch auf dem schützenden, sicheren Rahmen, den wir als Erziehende geben. In dem dann die freie Entfaltung des Kindes überhaupt erst möglich wird. Auch ließ ich viele Ideen wieder ziehen, die in meinem Erleben doch irgendwie mit Leistungsförderung und Entwicklungsdruck verknüpft waren und daher für mich in diesem Stadium nicht funktionierten.

Brigitte Hannig ließ mich die Wichtigkeit der Bindung als essentielle Lebensenergie erkennen. Bei ihr bekam ich ein erstes Verständnis dafür, welche entscheidende Rolle unser vegetatives Nervensystem, der Sympathikus und der Parasympathikus beim Aufbau einer sicheren Bindung zu unseren Kindern spielt. Für immer dankbar werde ich ihr sein für die Impulse, die ich rund um Elterliche Führung, gesunde Hierarchien und die wahren Bedürfnisse des Menschen erhielt.

Die Sache mit dem Nervensystem vertiefte ich noch weiter bei Rita Messmer und kurz darauf mit dem Buch-Glücksgriff von Mona Delahooke. Ich tauchte immer tiefer ein in unsere menschlichen Regulationssysteme, in Bedürfnisse, Verletzlichkeit und das genaue Hinschauen, was wirklich los ist.

Mit Janet Lansbury kam ich erneut Emmi Pikler und gleichzeitig Magda Gerber auf die Spur, ich erkannte meine Werte und Ideale im Respectful Parenting wieder und saugte alles wie ein Schwamm auf, was ich dort zu lesen und zu hören kriegte.

Und die gefühlte Krönung all dessen, was ich mir in den letzten Jahren angelesen, angeschaut, besucht und erarbeitet habe, fand ich im letzten Jahr bei Jason und Cecilia Hilkey und der Happily Family Conference For Mindful Parenting. Dort – so scheint es mir – laufen all diese Strömungen in einem großen Feuerwerk der Inspiration zusammen. Dort wimmelt es nur so von Advokat*innen für eine bewusste Elternschaft, für liebevolle Klarheit, Annahme aller Emotionen, für die Wichtigkeit von Selbstfürsorge und das Vorleben all der Eigenschaften und Ideale, die man seinen Kindern mit auf den Weg geben möchte. Sie erleichtert uns von dem Druck, die perfekten Eltern sein zu wollen. Wie wichtig es ist, eben nicht perfekt zu sein, dass man Fehler wieder gut machen und jeden Tag von vorn anfangen kann.

Die achtsame Elternschaft fordert uns dazu heraus, uns mit unseren eigenen Schattenthemen und Triggerpunkten auseinander zu setzen. Sie hilft uns durch Bewusstwerden und Neulernen, unsere eigenen Grenzen auszuloten und auf neue, gesunde Weise damit in Beziehung zu uns und unseren Lieben zu treten. Sie gibt uns Hilfen an die Hand, die wir für uns und unsere Kinder auf dem Weg zu emotionaler Gesundheit nutzen und somit unsere kranke Gesellschaft von unten her heilen können.

Und da schließt sich wiederum der Kreis, warum wir, mein Liebster und ich, so sehr nach einem Leben in Gemeinschaft streben. Weil wir dort die Erfüllung unserer ureigenen Grundbedürfnisse als Menschen in allen Altersstufen sehen. Weil Gemeinschaft uns dazu zwingt, uns mit unseren schmerzhaften, wunden Punkten zu befassen, wenn sie denn gelingen soll. Gemeinschaft ist für mich ein Ort, an dem ich meinem persönlichen Weg der eigenen Heilung quasi Dünger und viele Sonnenstunden bieten kann, denn dort übe ich mich im wohlwollenden, geschützten Rahmen wieder und wieder im Umgang mit eben all diesen meinen Seelendellen und -narben, um sie zu erkennen und aufzulösen, gemeinsam neue Wege zu beschreiten.

Und auch für unsere Kinder ist die Gemeinschaft der Erwachsenen, die sich um ihr persönliches Wachstum, um Entwicklung und Heilung bemühen, der beste Nährboden für ein Aufwachsen zum Frieden – Frieden mit sich selbst, seinen Gefühlen, seinen Begabungen und Schwächen und Frieden mit dem Gegenüber, in dem wir uns spiegeln, um uns zu erkennen.

Welche Stationen habt ihr auf eurer Elternreise schon besucht? Was gibt euch Kraft, was hilft euch dabei, in authentischer Beziehung zu euch und euren Kindern zu sein (bleiben)?

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