Vom Loslassen

Die letzte Woche war ich im absoluten Ausnahmezustand. Denn wir hatten ihn gefunden: meinen Traumhof. Besser gesagt, hatte er sogar uns gefunden über eine Vielzahl von Umwegen und Zufällen. Aber wie sich herausstellte, sollte meine Vision leider nicht in Erfüllung gehen.

Er lag dort, nur 8 km von dem Ort entfernt, wo G in weniger als einem Jahr zur Schule kommen soll. Mein Traumhof, so wie ich ihn mir erhofft, gewünscht hatte. Mit einem großen Haupthaus, gut erhalten und saniert, dazu mehrere Nebengebäude und Stallungen. Ein Werkstatt- und ein Gewächshaus. Ein Spielplatz und ein klitzekleines Wäldchen am Hügel hinauf.

Es gab ein großes Tipi mit Feuerstelle, eine riesige Veranstaltungsscheune und ein paar Meter entfernt einen Badesee. Obstbäume und -sträucher versprachen reiche Ernte im Sommer und die Gemüsebeete und Feigenbäume ebenso.

Es hatte schon reichlich ausgebaute Wohnflächen, einige Bäder, Küchen. Zwei schöne Seminarräume und mehrere Keller. Terassen und Holzlager. Irgendwie perfekt, wie ich fand.

Das Objekt kam mit einer gemeinnützigen Stiftung im Gepäck. Die hätten wir übernehmen und dadurch 700.000 Euro beim Kaufpreis sparen können. Sie hätte unserer Gruppe all den Stress, die Zeit, das Geld erspart, eine passende Rechtsform zu finden und auszugestalten.

Mit der Stiftung kam das Versprechen auf lebenslanges Wohnrecht und auf die Möglichkeit ab sofort Spenden für die Projekte am Hof zu sammeln. Sogar den weiteren Ausbau der anderen Gebäude hätten wir über Stiftungsgelder finanzieren dürfen, so der Stiftungszweck denn weiterhin erfüllt wäre.

Durch dieses Konstrukt hätten wir uns automatisch zumindest in großen Teilen in eine gemeinsame Ökonomie begeben. Auch hätten wir so sicherlich die Chance gehabt, den 1 oder 2 Gruppenmitgliedern ohne nennenswerte Geldmittel einen Platz zum Wohnen und reichlich Arbeit an die Hand zu geben.

Die Begegnungsstätte meiner Träume hätte hier Form annehmen können. Pflegeplätze für Senioren oder andere pflegebedürftige Menschen hätten einen Platz gefunden. Jedes Mitglied der Gemeinschaft hätte die eigene Schaffenskraft nach und nach ins Projekt verlegen können, um hier Geld zu generieren, wenn das gewollt gewesen wäre.

Der Haken an der Sache? Oh, es gab schon ein paar. Das will ich nicht verleugnen. Die Autobahn war doch recht nah, nur 400 m entfernt. Der Wohnraum für die Anfangszeit vielleicht etwas beengt, für mich jedoch durchaus vorstellbar. Leider kamen im Rahmen der Annäherung immer mehr Fragen und Ungereimtheiten zur Finanzlage der Stiftung auf und auch menschlich erlebten wir einige Rückschläge dort.

So kam es, wie es wohl kommen musste. Die Gruppe konnte sich nicht sehen auf diesem Hof, in diesen Häusern. Wir sagten ab.

Zurück bleibt die Wehmut, die wohl dazu gehört, wenn man seinem Lebenstraum zum Greifen nah gekommen war- und er dann doch wieder zerplatzt. Müdigkeit legt sich über mich nach dieser anstrengenden Phase, der Lütte fiebert auch seit einigen Tagen.

Es ist wohl Zeit für Rückzug aus der Welt, Zeit für Einkehr, Tee und Zimtsterne…

Schreibe einen Kommentar

*