Wollt Ihr wissen, wie es uns gerade so geht? Geburtshilflich gesprochen würde ich sagen, wir befinden uns volle Granate in der Übergangsphase. Kurz zusammen gefasst ist das die Phase in der Geburt, in der alles nur noch Scheiße ist, unüberwindbare Verzweiflung sich breit macht und das Ziel unrealistisch weit weg erscheint. („Ich geh nach Hause! Macht das hier ohne mich fertig!“) Jede Hebamme weiß dann: Bald ist es wirklich geschafft!

Jeder Umzug, den ich zuvor in meinem Leben meistern musste, lief grob nach folgendem Shema ab: Alles aus Wohnung A in Kisten stopfen, um diese in Wohnung B wieder neu einzusortieren.
Natürlich wurden immer ein paar Sachen ausgemistet bei der Gelegenheit, aber im Großen und Ganzen war es buchstäblich eine zügige und vor allem logistisch betrachtet simple Kiste (haha).

Was es jetzt ist? Wir richten unser gesamtes Leben auf den Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Leben in einer Gemeinschaft aus, ziehen aus einer 110 qm Wohnung in einen Wohnwagen um und haben zwischenzeitlich ein 16 qm großes Lager für die wichtigsten Sachen angemietet.

Jeder einzelne Gegenstand, den wir in die Hand nehmen muss sich einem harten Kreuzverhör unterziehen, welches zu einem kreiselnden Flussdiagramm in unseren Hirnen verschwimmt:

Brauchen WIR dich ÜBERHAUPT?

Wenn nein => braucht dich noch jemand anders?
Wenn nein => ab in die Tonne – oder braucht´s für dich den Sperrmüll (mindestens 60 Euro Abholkosten!!!).
Wenn ja, jemand anders => Bist du es wert, verkauft zu werden und wenn ja, auf Ebay oder auf dem Flohmarkt? Wenn nein, ist es eine Anzeige „Zu verschenken“ bei Ebay wert (man hat ja nicht unbegrenzt viele zur Verfügung, nicht mal bei Verschenken *nerv*) oder stellen wir dich in einer Verschenkekiste an die Straße oder sammeln wir dich mit anderen Dingen, die zum Johannesstift gefahren werden?

Wenn JA, wir: Brauchen wir dich jetzt noch ? Oder beim Aus- und Umzug ? Vielleicht auf der Reise ? Oder in unserem After-Life, wenn wir irgendwann wieder sesshaft werden? Und wenn wir dich auf der Reise brauchen, haben wir überhaupt genug Platz für dich? Und falls wir dich ins Lager packen, bist du eher ein Kandidat für das Schicksal „Schnell-Rankommen“ oder „Hinten-in-der-Versenkung-auf-ein-neues-Leben-warten“??? Und mit wem pack ich dich in eine Kiste, damit du sinnvolle Nachbarn hast UND die Kiste nicht untragbar schwer wird???

Vielleicht könnt Ihr erahnen, wie unsere Wohnung derzeit aussieht. Und was das äußere Chaos mit unserem inneren Gemütszustand macht und wie es sich auf unser armes Kindelein auswirkt? Uaaaaaaah.

Ich will los. Ich will weg. Sagt die kleine Schneck.

Aber echt.

Mit G in der Wohnung zu bleiben, ist für uns beide aktuell bestenfalls mega-anstrengend, ich tendiere aber eher zu hochgradig-unerträglich.

(Unsere kindgerechte Einrichtung, Platz zum Entfalten und Spielen und unsere übliche JA-Atmosphäre wich einem eklatanten Platzmangel und einer Umgebung des NEIN! Dazu kommt meine Unfähigkeit, mich 100% auf mein Kind zu konzentrieren, wenn ich ständig vor Augen habe, wo ich eigentlich anpacken und loslegen muss. Sprich: ungeteilte Aufmerksamkeit gibt es für mein Kind zuhause gerade kaum). Glücklicherweise hat das Wetter endlich angezogen und wir verbringen Stunden um Stunden auf dem benachbarten Wasserspielplatz.

Das heißt T darf das meiste Räumen alleine wuppen, aber irgendwie habe ich sowieso komplett den Überblick verloren. Er macht das schon ganz prima.
Ich habe einen Flohmarkt gestartet im April, war aber wettermäßig so ein totaler Flopp, dass ich das jetzt aufgegeben habe. Ohne Auto eh nicht so der Bringer. Und der Aufwand war unverhältnismäßig hoch für den Gewinn (Finanziell betrachtet. In sozialer Hinsicht war der halbe Tag im Aprilregen eigentlich ganz klasse…)

Ebay läuft noch ganz gut, vor allem dass wir unser Auto und Motorrad los geworden sind, war eine echte Erleichterung. Unser Kind hat dabei auch viel gelernt: Zum Beispiel, dass das Auto genau einmal geputzt wird – nämlich, wenn man es verkaufen will.

G´s Emotionen fahren auch ein wenig Achterbahn (ist ja loooogisch), aber wenigstens haben wir halbwegs wieder einen funktionierenden Rhythmus eingespielt. Die Zeit des Mittagsschlafes scheint endgültig vorbei zu sein (seufz), aber dafür geht er jetzt wieder gut abends ins Bett und wir haben ein bisschen Elternfeierabend für uns. Der Übergang brauchte ca. eine heiße Woche, in der ich erst mal begreifen musste, dass der Mittagsschlaf nicht mehr angesagt ist.

Aber als diese anstrengenden Mittage bzw. Abende hinter uns lagen, wussten wir wenigstens, woher die Unruhe gekommen war und dass sie nun ein Ende haben würde.

Ich hoffe wirklich, die Übergangsphase weicht bald der Austreibungsphase und anschließenden Geburt – äh, ich meine natürlich Auszug.

Noch zwei Wochen. Noch zwei Wochen. Noch zwei Wochen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Post Navigation