Heilende Geschichten für Kinder

In den Geschichten, die wir unseren Kindern erzählen, transportieren wir so viel mehr als nur den reinen Inhalt. Viele Geschichten entstehen spontan aus dem Spiel heraus, die meisten davon sind eher heiter oder sogar lustig. Aber es steckt doch noch einiges in dieser Art des Eltern-Kind-Austausches. Auch schwierige Phasen und sogar problematische Situationen bieten eine Möglichkeit, über das Geschichtenerzählen in eine engere Bindung zu kommen.

Eine solche „heilende Geschichte“ bietet für das Kind eigene, personalisierte Charaktere, mit denen es sich automatisch identifizieren kann. Außerdem taucht es ein in eine sichere Welt, in der es die vorhandenen Schwierigkeiten leichter durchleben kann als das vielleicht bei einer direkten Konfrontation oder einem ernsthaften Gespräch möglich wäre.

Wichtig ist, sich vorher ein paar Gedanken dazu zu machen, was in dem Kind wirklich vorgeht und was ihm helfen könnte, die Probleme zu meistern, denen es sich gegenüber sieht.

Welche Sorgen / Schwierigkeiten etc. sind es, um die es in der Geschichte gehen soll?

Was fühlt das Kind (z.B. Wut, Angst, Einsamkeit, Enttäuschung, Frust, Neid) und was könnte das Kind brauchen um besser zurecht zu kommen (z.B. Mut, Unterstützung, Stärke, Verständnis, Abenteuerlust) ?

Welchen Lauf sollte die Geschichte nehmen, auf welche Weise kann das Kind einen neuen Zugang zu den bestehenden Herausforderungen erkennen und sich unbewusst für eine Veränderung öffnen?

Wähle die Charaktere mit Bedacht:
Wer könnte das Kind repräsentieren? Mit wem könnte es sich leicht identifizieren? (z.B. eine Prinzessin, ein (Lieblings-)Tier, ein Feuerwehrmann)
Wer hilft der Hauptperson bei ihren Schwierigkeiten? Ist es ein Freund, ein Verwandter, ein Zauberwesen?
Wie wird die Problematik angepackt? Ist der Charakter des Kindes mit einer Herausforderung konfrontiert oder gibt es vielleicht eine andere Figur, die genau das Problem hat, welches das Kind meistern muss?

Die Geschichte selbst sollte möglichst simpel aufgebaut sein (dann fällt das wieder und wieder Nacherzählen am leichtesten und das Kind kann am besten folgen).
Es gibt eine kleine Einleitung, in der die Figuren und die wichtigsten Gefühle vorgestellt werden, dann folgt das Hauptthema und dessen Bearbeitung. Und zum Schluss sollte die Lösung gefunden und mit positiven Gefühlen betont und hervor gehoben werden.

So und hier teile ich mit euch heute unsere ganz persönliche Geschichte, die ich mir für G ausgedacht habe, weil er sich immer wieder phasenweise sehr schwer damit tut, mich im Kinderladen zu verabschieden. Ich weiß, dass er dort dann eigentlich ausnahmslos eine gute Zeit hat und auch wirklich toll mit den anderen Kindern spielt, aber der Abschied, die Trennung selbst machen ihm schwer zu schaffen. Vielleicht hilft ihm ja meine „heilende Geschichte“ diese Gefühle etwas besser zu verarbeiten. Und falls nicht, haben wir nichts verloren, denn eine personalisierte Geschichte für das Kind, frei erzählt von Mama in kuscheliger Zweisamkeit vor dem Einschlafen kann einfach nur gut sein, oder was denkt ihr?

Fridolin, der Astronaut


Es war einmal ein kleiner Astronaut und der hieß Fridolin.
Er lebte mit seiner lieben Frau Elif in einem wunderschönen Zwergenhäuschen mit einem herrlichen Gemüsegarten.
Jeden Morgen kam Sebastian, der beste Freund von Fridolin vorbei um ihn abzuholen und mit ihm gemeinsam zur Raumstation zu gehen.
Aber jeden morgen bekam Fridolin, der kleine Astronaut, eine große Angst, als er sich von seiner Frau Elif trennen sollte. Die durfte nämlich nicht mitkommen zur Raumstation.
Also sagte er jedesmal zu Sebastian, dass der alleine zur Raumstation gehen solle und Fridolin blieb zu Hause bei Elif.

Am Montag Morgen klingelte Sebastian an der Tür und sagte: „Fridolin, komm doch bitte mit zur Raumstation!“ Aber Fridolin begann bitterlich zu weinen und blieb lieber zuhause bei seiner Frau Elif.
An diesem Tag spielten Fridolin und Elif Verstecken, kümmerten sich um den Garten und wuschen die Wäsche.
Am Nachmittag kam Sebastian auf dem Rückweg wieder bei Fridolin vorbei. Und er erzählte ihm, was er heute Tolles in der Raumstation erlebt hatte: „Fridolin, stell dir vor, wir durften heute zum ersten Mal die Weltraumraktete von AUßEN ansehen.“ sagte Sebastian. Sie ist riesengroß und hat zwei tolle Boosterraketen an den Seiten. Und wenn die Sonne scheint, glitzert die Rakete und funkelt richtig!“
Da spürte der kleine Astronaut Fridolin einen seltsamen kleinen Stich im Herzen, der Sehnsucht hieß. In dieser Nacht träumte Fridolin von der großen Weltraumrakete. Und wie Sebastian gesagt hatte, funkelte sie in der Sonne und sah einfach wunderschön aus.

Am Dienstag Morgen klingelte Sebastian wieder an Fridolins Tür und wollte so gerne, dass der mitkommt zur Raumstation. Aber Fridolin bekam es wieder mit der Angst, weil Elif nicht mitgehen konnte und er musste auch wieder bitterlich weinen. Also blieb Fridolin auch an diesem Tag zu Hause. Er spielte mit Elif Fangen, räumte den Keller auf und am Nachmittag, als Sebastian zurück kam hörte er sich an, was alles Neues in der Raumstation passiert war. „Weißt du“, sagte Sebastian zu Fridolin „heute durften wir uns die Rakete von INNEN ansehen. Es gibt eine richtige Raumkapsel und im Cockpit blinken ganze viele Leuchtanzeigen. Das würde dir bestimmt gefallen!“
In dieser Nacht träumte der kleine Astronaut Fridolin, dass er in der großen Rakete war und selber alle Schalter und Leuchtknöpfe sehen konnte.

Am Mittwoch kam Sebastian schon ein bisschen früher an das Zwergenhaus von Fridolin. Er war ganz aufgeregt und sagte: „ Fridolin, heute MUSST du unbedingt mitkommen zur Raumstation. Heute dürfen wir nämlich wirklich mit der Rakete zum Mond fliegen. Und wieder zurück!“
Fridolin hatte auch jetzt wieder große Angst, sich von Elif zu trennen. Elif aber lächelte und sagte: „Das darfst du wirklich nicht verpassen, Fridolin. Ich komme hier auch alleine zurecht und wenn du heute Nachmittag wieder kommst, backe ich uns Pfannkuchen mit Marmelade!“
Da fasste sich der kleine Astronaut ein Herz, nahm all seinen Mut zusammen und ging zusammen mit Sebastian zur Raumstation.

Und tatsächlich: Alle Astronauten durften sich ihre Raumanzüge anziehen und in die Raumkapsel gehen. Dann gingen die Triebwerke an und die Flammen schossen heraus. Und los ging die rasante Raketenfahrt zum Mond. Ganz klein sah Fridolin die Erde unter sich, und um ihn herum sah er tausende von Sternen funkeln. Die Rakete umkreiste einmal den Mond und flog dann wieder zur Erde zurück.

Als Fridolin nach Hause kam, strahlte er übers ganze Gesicht – so gut hatte ihm die Weltraumreise gefallen und er war mächtig stolz auf sich, dass er so mutig gewesen war mitzufliegen. Auch Elif war sehr stolz auf ihren mutigen kleinen Astronauten und wartete schon in der Küche mit heißen Pfannkuchen und süßer Erdbeermarmelade auf Fridolin.
Da setzten sich Fridolin und Sebastian zu Elif an den Tisch und sie feierten zusammen, dass Fridolin seine Angst überwinden konnte und nun ein richtiger Astronaut geworden war.

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