Zeit für Einkehr

Ob es das mit dem Sommer schon gewesen ist? Seit Tagen fühlt sich alles um mich herum nach Herbstwerden an. Innerlich und äußerlich. Während draußen die Temperaturen sinken, die Kastanien dicker werden und die ersten Blätter sich verfärben, spüre ich den inneren Drang, mich zu sortieren, zu sammeln und mich in die allherbstlich anstehende Erdung und Innenschau zu begeben.

einkehr

Unser Sommer war so lebendig, erfüllt von Aktion und Austausch mit anderen Menschen. Spielplätze, Badestellen, Kindergeburtstage, Picknicks im Park. Viele Stunden auf unserem Acker und dem Beerenfeld in der Nähe reihten sich an ebenso viele Stunden in der Küche zum Verarbeiten der Ernte. Freunde wurden eingeladen und bekocht, Erfahrungen ausgetauscht und Erlebtes abgeglichen.

Und nun spüre ich von Tag zu Tag mehr, wie diese Nach-Außen-Gewandtheit langsam abebbt, sie lässt nach und lässt ein Gefühl der Leere und Unrast in mir zurück. Ich merke, wie ich wieder mehr den Kontakt zu mir selbst, meine innere Balance suche.

einkehr3

Plötzlich fallen mir wieder so viele Dinge auf einmal ein, die ich gerne angehen und abhaken würde. Gleichzeitig weiß ich, dass ich mich nicht überfordern möchte und ganz geruhsam einen Schritt nach dem anderen gehen werde. Schließlich habe ich jetzt auch wieder die Zeit, an den Vormittagen jene Erledigungen und Projekte zu schaffen, die ich mit Kind nur schwer umsetzen kann.

Also übe ich mich in Geduld, gönne mir erst mal eine kleine Auszeit, hin und wieder einen Mittagsschlaf oder ein Bad zur rechten Zeit. Und dann geht es weiter, eins kommt zum anderen. Ganz von allein lasse ich die Aufgaben heranrollen und bearbeite immer nur das, was gerade am Dringendsten ansteht.

Ausmisten, verkaufen, verschenken, entmüllen, was sich auf dem Dachboden, im Keller und in den unzähligen Ecken und Schubladen unserer Wohnung so verbirgt.

Sortieren, katalogisieren, abheften, parat wissen von den wichtigen Auswander-Unterlagen, die wir brauchen, sobald T´s IELTS überstanden ist.

einkehr2

Außerdem will ich mir Zeit nehmen für die schönen, inspirierenden und nährenden Tätigkeiten, die ich so liebe und die mein Herz erfreuen:

Nähen, Basteln, den Herbst zelebrieren, Schönes gestalten, meine Kreativität genießen.

Muße haben, ausruhen, meinem Körper etwas Gutes tun, durchatmen und meine Prioritäten wieder neu (er)finden.

Und wie fühlt Ihr Euch gerade? Noch ganz im sommerlichen Schwung oder auch schon ein wenig auf dem Rückzug zu Euch selbst?

Aus dem Seelenkalender von Rudolf Steiner für die zweite Augustwoche:

Geheimnisvoll das Neu-Empfang’ne
Mit der Erinn’rung zu umschließen,
Sei meines Strebens weitrer Sinn:
Er soll erstarkend Eigenkräfte
In meinem Innern wecken
Und werdend mich mir selber geben.

Schreibe einen Kommentar

*