Bluebottles

Die Kornblumen blühen. Jetzt auch auf unserem eigenen Acker. Grund genug, ihren Anblick mit euch zu teilen! Bei mir passiert gerade schon wieder so Vieles, was mich beschäftigt, berührt und aufwühlt, so dass ich heute nur einen kurzen Statusbericht geben kann.

Der Bauerngarten sieht momentan einfach großartig aus. Es ist auch weiterhin unsagbar schön, dort zu arbeiten – inzwischen ist es vor allem das Ernten, was mich regelmäßig hinaus treibt. Das Essen auf dem Tisch miteinander zu genießen und sogar mit Freunden oder Familie teilen zu können, macht mich stolz und mein Herz ruft laut nach mehr von dieser Art zu leben. Sogar Pastinaken und Rote Beete haben mir meinen Aktionismus verziehen und gedeihen mittlerweile recht ordentlich.

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Neben den leckeren Gemüsesorten zieren die Kornblumen unseren Ackerrand. Durch Überdüngung der Felder waren sie hier bei uns sehr selten geworden und stehen heute unter Naturschutz. Sie sind ein Bioindikator, der anzeigt, wie stark die Felder in vergangenen Jahren gedüngt wurden. Irgendwie verbinde ich meine aktuelle Verfassung und Sensibilität in Bezug auf das Umfeld hier in Deutschland mit dem Wesen dieser Pflanze. Auch ich strebe nach saubererem, ruhigerem Terrain, als ich es zur Zeit in der näheren Umgebung vorzufinden scheine und befinde mich deshalb auf dem Rückzug – hin zu einer Heimat, auf deren Boden ich Wurzeln schlagen und ein beschauliches Dasein führen darf.

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Am vergangenen Wochenende fand außerdem der dritte von fünf Blöcken meiner Hebammenweiterbildung in traditioneller Hebammenkunst statt. Noch bin ich etwas zu erschlagen und es fehlen mir einfach die Worte, das zu beschreiben, was diese neuen Erkenntnisse mit mir machen. Ich habe höchsten Respekt vor unserer Dozentin und scheue mich davor, auch nur einen Satz über ihre Arbeit und das Wissen zu veröffentlichen, der nicht sorgfältigst überdacht und abgewogen wurde. Deshalb kann ich im Moment nur soviel verraten: Ich wünschte, ich hätte all diese Kenntnisse schon vor 10 Jahren im Laufe meiner Ausbildung erlernen können. Statt dessen muss ich mich jetzt ernsthaft fragen, ob ich mich überhaupt imstande sehe, diesen Schatz, diesen Reichtum an Fachwissen und Handwerkskunst in meine Arbeit zu integrieren, oder ob ich es lieber lassen und mich weniger verantwortungsvollen Aufgaben zuwenden sollte. Es arbeitet in mir und ich bin neugierig und gespannt, wohin mich meine Reise führen wird. Ich versuche dieses Thema innerlich erst einmal loszulassen und zu sehen, was sich entwickelt, vorerst ohne eine Entscheidung treffen zu müssen.

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Und zu guter Letzt hat seit einer knappen Woche G´s Eingewöhnung im Kinderladen begonnen. Auch hier erlebe ich emotionale Aufs und Abs. Ich muss loslassen und gleichzeitig achtsam da sein. Muss mich einfühlen, aber trotzdem etwas Abstand bekommen. Ich erlebe Unsicherheit auf G´s und auf meiner Seite, halte Angst und Kummer aus und bin gerührt davon, wie G jeden Tag ein bisschen mehr in die Gemeinschaft hinein wächst und sich um ihn gekümmert wird. Von Händen, die nicht meine sind. Auch hier also: Loslassen. Nicht planen. Nichts erwarten. Authentisch bleiben und mich gleichzeitig bewusst zurück nehmen. Keine leichte Aufgabe, bei weitem nicht. Ich wünsche meinem Kind von ganzem Herzen, dass er diesen Weg tapfer und frohen Mutes beschreiten kann. Er soll wissen, dass ich immer für ihn da bin und er mir signalisieren darf, wenn ihm etwas zu schnell geht oder zu viel wird. Ergebnisoffen. Das ist vielleicht das treffendste Wort, um meine Einstellung zu dem Eingewöhnungsprozess zu benennen. Wenn sich die ersten Wogen geglättet haben, werde ich bestimmt ausführlicher darüber berichten können als so mittendrin im Geschehen.

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Sieht nur mein Leben so voll und chaotisch aus oder müsst auch ihr zur Zeit mehr als 35° im Schatten aushalten? Was auch immer euch gerade heraus fordert: ich hoffe, ihr könnt daran wachsen und wieder ein wenig mehr erkennen, was euch wirklich wichtig ist im Leben!

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