Der Ort, an dem wir inzwischen bereits mehr als fünf Wochen leben, zeichnet sich für mich vor allem durch eines aus: Unbeständigkeit und stetigen Wandel. Die Anzahl und Zusammensetzung der Gäste veränderte sich in dieser Zeit immer wieder und damit auch die Gruppendynamik und alles, was damit zusammen hängt.
Ruhigere Phasen des harmonischen Miteinanders wechselten sich mit turbulenteren Zeiten ab. Neue Gäste brachten immer wieder neue Schwerpunkte, Ideen, Gefühle und Anregungen mit.
Mit einigen Leuten haben wir uns sehr stark verbunden gefühlt. Mit anderen weniger. Das lag zum Teil an der Aufenthaltsdauer, manchmal an der Persönlichkeit oder an den Motiven für das Hier-sein. Und doch hat eine konstante Gruppengröße von durchschnittlich 10 Erwachsenen es mir ermöglicht, dass ich immer einen gewissen Gemeinschaftssinn verspürt habe. Selbst dann, wenn einzelne Mitglieder der Gruppe sich mal zurück gezogen und mehr ihr eigenes Ding gemacht haben.
Diese verschiedenen Dynamiken zu erleben und meine Rolle immer wieder neu darin zu finden, mit der ich mich wohl fühlte, war teilweise ganz schön anstrengend, zugleich aber auch sehr lehrreich für mich. Ich möchte die Erfahrungen nicht missen, aber auf Dauer wäre mir ein derartiges Konzept wahrscheinlich zu unruhig.
Nun ist jedenfalls der Zeitpunkt endgültig gekommen, wo diese “Blase” geplatzt ist und auch die Personen abgereist sind, die für mich die Kerngruppe der Gemeinschaft ausgemacht haben. Das sind allen voran der Bewohner / Besitzer dieses Ortes, eine Frau, die die gesamte Zeit mit uns hier verbracht hat und die andere Familie aus Deutschland mit ihrer kleinen Tochter.
Im Gegensatz zu uns spielen letztere ernsthaft mit dem Gedanken, ab Anfang kommenden Jahres fest hierher zu ziehen, da sie anscheinend andere Bedürfnisse und Ideen für ihren nächsten Lebensort in sich tragen als wir.
Wie dem auch sei: all diese Menschen, mit denen wir wochenlang auf engem Raum zusammen gewohnt, gelebt, gearbeitet haben, sind nun abgereist. Das Haus erscheint uns fast schon gespenstisch ruhig. Keiner mehr da, mit dem man spontan einen kleinen Plausch in der Küche halten kann.
Dieser Zustand hält zwar nur kurz an, da morgen ein Pärchen für weitere fünf Tage hier einkehren wird (von dem wir eine Hälfte schon kennen lernen durften.) Aber erstens ist das ja nur für eine recht überschaubar kurze Zeit und zweitens handelt es sich einfach um Menschen, mit denen wir uns bisher noch nicht so eng verbunden fühlen, wie es mit den gerade Abgereisten der Fall war. Vier Erwachsene und ein Kind sind für mich auch eher eine WG denn eine richtige Gemeinschaft. Zumindest in der unsrigen Besetzung.
Ich glaube, die herzliche Truppe wird uns fehlen. Gleichzeitig freuen wir uns aber auch irgendwie ein bisschen auf die ruhigere Phase, die uns jetzt bevor steht. Intensiv Zeit als Familie allein zu verbringen, kam hier an diesem Ort eindeutig zu kurz.
Unsere erste Tat war ein ordentliches Großreinemachen und anschließend eine leichte Umräumaktion, um uns eine Oase von Gemütlichkeit zu schaffen. Denn dieses Behaglichsein und Wohlfühlenkönnen ist uns beiden enorm wichtig an unserem Wohnort und es fand in Anwesenheit der großen Gruppe irgendwie nicht seinen rechten Ausdruck, fanden wir.
Das Wohnmobil ist übrigens seit gestern auch endlich in der Werkstatt (die Kommunikation mit den Verantwortlichen für den erneuten Getriebeschaden zieht sich immer noch hin) und wird nun hoffentlich nachhaltig geheilt.
Und die Weihnachtselfen erwartet hier schon bald ein zauberhaftes Häuschen, das sie pünktlich am 1. Dezember beziehen werden…
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