Nachhaltig ausscheiden: Woche 1+2

So, jetzt geht´s ans Eingemachte! Endlich gehöre ich wieder der Gesellschaftsklasse an, die sich unzensiert und ungeschönt über Baby’s Verdauungsresultate austauschen darf. Und darum werde ich für alle Interessierten minutiös berichten, wie unsere ersten zwei Wochen nach der Geburt in Bezug auf die kindlichen Ausscheidungen so verlaufen sind.

Es gab einige Überraschungen, wenig lief nach Plan, aber vieles landete tatsächlich im Töpfchen!

Ihr erinnert euch? Ich habe dieses Mal den Einwegwindeln ja komplett abschwören wollen (aber trotzdem hatte ich eine Notration Maisstärkewindeln eingekauft und das erwies sich auch als sehr gut so). Stoffwindeln waren und sind immer noch der eigentliche Plan, möglichst von Anfang an. Und zusätzlich dazu wollte ich mir die Sache mit der Elimination Communication (Ausscheidungskommunkation, EC) mal genauer anschauen.

Tja und dann kam nun unser Töchterchen auf die Welt und ich landete nach einem kurzen Umweg über das Krankenhaus doch noch sehr weich im häuslichen Wochenbett. Mein Mann musste von Null auf Hundert zum Hausmann und Vollversorger für den Bengel, die große und die kleine Dame mutieren und hatte damit erstmal mehr als alle Hände voll zu tun. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich ihm, ehrlich gesagt, nicht auch noch zumuten, sich um einen Haufen Stoffwindeln mit entsprechend komplizierten Waschvorgaben zu kümmern. Erstmal musste sowieso der Wäscheberg von der Hausgeburt weichen.

Außerdem hing ja auch der Nabelschnurrest samt Nabelklemme der kleinen Dame noch am Bauch herum. Und da fand ich die Stoffwindeln, trotz Freihaltesaum, nicht wirklich geeignet. Irgendwie saßen die da nicht gut und scheuerten immer an der falschen Stelle.

Also bekam unser kleines Frauenzimmer eine Woche lang die Öko-Wegwerfwindeln an. Das war einfach praktischer. Am fünften Tag fiel der Nabelschnurrest zwar bereits ab, aber der Nabelgrund blutete und schmierte und müffelte über eine weitere Woche so vor sich hin. Den pflegten wir dann mit Calendulaessenz (verdünnt!) und Seidenpuder, aber als auch das nicht vollends half, stiegen wir auf Octenisept-Spray um und legten zusätzlich kleine Gaze-Stückchen in den Nabel ein, um ihn endgültig trocken zu bekommen.

In dieser zweiten Lebenswoche versuchte ich es zwar doch hin und wieder mit einer Stoffwindel, aber die ließen den Nabel einfach nicht gut genug frei und außerdem liefen sie auch regelmäßig seitlich an den Beinchen aus. Und da ich noch zuviele andere Baustellen zu versorgen hatte (Milcheinschuss, Dammnaht…), konnte ich mich damit nicht auch noch auseinander setzen.

Was dagegen in dieser zweiten Woche bereits bombastisch gut funktionierte, das war das Abhalten über dem Asiatöpfchen. Zu Anfang war ich noch sehr skeptisch, ob das überhaupt funktionieren würde, die Signale richtig zu deuten und so. Und ob es nicht reihenweise Pipi- und Kacka-Malheure am Bettrand geben würde. Aber erstaunlicherweise klappte es mit dem richtigen Zeitpunkt fürs Abhalten in vielen Fällen richtig klasse und teilweise blieb die eine Windel am Babypopo über mehrere Stunden trocken, während großes und kleines Geschäft regelmäßig ins Töpfchen gingen.

Ich war wirklich sehr erstaunt darüber. Daran merkte ich auch, dass ich der ganzen Sache und vor allem den vielen euphorischen Onlineberichten anderer Windelfrei-Muttis nicht so ganz getraut hatte.

Insgeheim wollte ich vielleicht einfach nicht wahrhaben, dass ich meinem Sohn damals einiges an Anstrengung und Leid hätte ersparen können. Wenn ich sein Drücken und Pressen und Rumknöttern als Signale verstanden hätte, ausscheiden zu müssen und ihn dann kurzerhand abgehalten hätte.

Denn so wie ich es jetzt bei Kindelein Nr. 2 erlebe, ist so ein kleines Neugeborenes tatsächlich in der Lage, sein Ausscheidungsbedürfnis a) wahrzunehmen, b) mitzuteilen und c) solange aufzuschieben, bis die Gelegenheit günstig ist. Sprich: Es sich nicht selbst beschmutzen muss. Ich kann tatsächlich an einer Hand abzählen, wie oft das große Geschäft in der vergangenen Woche in der Windel gelandet ist. Und auch eine volle Harnblase wurde mehrmals täglich zuverlässig angezeigt.

Das widerspricht natürlich allem, was ich vorher so über die Blasen- und Darmentwicklung von kleinen Kindern gelernt habe. Aber seit meiner augenöffnenden Fortbildung in traditioneller Hebammenkunst damals habe ich ja ein grundlegendes Misstrauen gegenüber sämtlichen Lerninhalten meiner eigenen Ausbildung mit auf den Weg genommen.

Die Tatsache, dass der größte Teil der Weltbevölkerung immer schon ohne Windeln ausgekommen ist und es de facto auch heute noch tut, ist defintiv ein schlagendes Argument dafür, dass die Evolution hier gründlich vorgesorgt haben muss. Und auch die Frage, warum Neugeborene in unseren Industrieländern im Gegensatz zu all den anderen Menschenkindern dieser Welt so schlimme “Anpassungsstörungen” und am laufenden Band “Koliken” haben sollen, erscheint mir heute in einem anderen Licht.

Sollte ein nicht unwesentlicher Anteil dieser Beschwerden am Ende Ausdruck einer unnatürlichen Konditionierung sein, während derer die Kinder leidvoll lernen müssen, sich selbst anzupullern und anzuschietern, weil niemand auf ihre Signale reagiert? Das wäre ja nun wirklich eine tieftraurige Erkenntnis, oder?

Jedenfalls werde ich dran, sprich: mit meinem Kind in Kommunikation bleiben, um ihr Bedürfnis nach artgerechtem Ausscheiden so gut ich kann zu beantworten. Schaden kann es sicherlich nicht, im Gegenteil!

Für die praktische Umsetzung nehme ich aus den ersten Versuchen folgendes Fazit mit:

Utensilien

Das kleine Asiatöpfchen samt Bezügen hat sich schon jetzt absolut bewährt und das Abwischen mit unseren weichen Baumwolltüchern klappt auch bestens. Dazu braucht es bloß eine Waschschüssel und Thermoskanne mit heißem Wasser, dann ist man für das Abhalten bestens ausgerüstet.

Kleidung

Die Kleidung sollte zwei Kriterien erfüllen:

das Kind warm halten und leicht aus- und wieder anzuziehen sein. Entgegen der Meinung vieler anderer Windelfrei-Muttis finde ich Bodies überhaupt nicht unpraktisch. Für mich funktioniert es damit super. Die Knöpfe sind schnell einhändig aufgemacht und dann muss nur noch die Windel runter.

Der Vorteil am Body ist aus meiner Sicht, dass das Baby darin besser warm gehalten wird als nur mit einem Flügelhemdchen. Eine Babyunterhose auszuziehen, finde ich mit einer Hand auch nicht gerade die leichteste Übung, ehrlich gesagt.

Also trägt mein Kind Zuhause einen Wolle-Seide-Body, einen Pulli und ein gefüttertes Strampelsäckchen. Das hat den Vorteil, dass Beinchen und Füßchen nackig bleiben. Wenn die sich- wie schon im Mutterleib – berühren können, sorgt das über die Stimulation des Nervensystems nämlich zusätzlich für eine bessere Verdauung und allgemeine Ausgeglichenheit. Wenn ihr unsicher seid, ob das Baby warm genug ist, fühlt einfach von Zeit zu Zeit die Füße und Hände. Allesamt sollen schön warm sein. Sind Sie das nicht, braucht das Kleine doch eine Hülle mehr bzw. denkt auch an das Mützchen, denn über den Kopf verlieren die Kinder anfangs am meisten Körperwärme!

Backups

Wie schon weiter oben beschrieben, hatte ich jetzt am Anfang keinen guten Start mit den Stoffwindeln. Erschwerend kam noch hinzu, dass ich mich mit den Druckknöpfen irgendwie noch nicht so richtig anfreunden konnte. Da gewann die Wegwerfwindel mit ihren Klebeverschlüssen haushoch beim Auszieh-Komfort. Ich hoffe, ich gewöhne mich mit der Zeit auch noch ans Handling mit den Stoffies, der Umwelt zuliebe!

Signale

In der Neugeborenenphase ist die Körpersprache ja wirklich sehr eindeutig zu interpretieren, finde ich. Unten verlinke ich mal zwei Seiten, wo ihr mehr Details zum Thema Elimination Communication erfahren könnt. Hier gibt es im Halbschlaf sehr klare Drückerei und Grimassieren und beim Stillen das wohl recht typische An- und Abdockespielchen plus Drückerei. Ich bin sehr gespannt, wie sich das mit der Zeit verändert und wie unsere EC-Reise weiter geht bzw. was für Phasen wir dabei wohl erleben werden. Auf jeden Fall fühlt es sich jetzt im Augenblick ganz genau so stimmig und gut an, und weiter denke ich da erstmal gar nicht. Mein Kind wird mir den Weg schon weisen.

Was für Erfahrungen habt ihr selbst gemacht? Habt ihr möglicherweise auch den Eindruck, ein Großteil der Verdauungsprobleme unserer Säuglinge seien hausgemacht, als Ausdruck einer unnatürlichen Konditionierung?

Links:

Windelwissen

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