Kleiderbasare – Nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen

Ihr erinnert euch vielleicht: Ich hadere noch immer ein wenig damit, dass es bei uns mit der Gemeinschaftssuche nicht direkt geklappt hat. Das Loslassen oder zumindest das Aufschieben in eine ungewisse Zukunft meiner Idealvorstellung vom artgerechten, enkeltauglichen Leben fällt mir an manchen Tagen verdammt schwer.

Ein wichtiger Teil meiner Vision beinhaltet jedenfalls einen sparsameren Umgang mit unser aller Ressourcen und den Boykott der gängigen, auf ständigen Konsum und maximalen Gewinn ausgerichteten Industrie.

Dies betrifft die Gewinnung von Energie und die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln ebenso wie den Bereich der persönlichen Besitztümer und Alltagsgegenstände. Mir schwebt auch weiterhin vor, dass diese Ziele in einer Gruppe von Gleichgesinnten viel leichter wirksam zu etablieren wären als im Einzelkämpfermodus.

Vor meinem inneren Auge sehe ich immer diesen riesigen Raum, einen Tauschladen mit Kleiderfundus für alle, in den man einfach immer die Stücke hinein legt, die man selber gerade nicht braucht. Und wo man als allererstes stöbern geht, wenn etwas Neues benötigt wird.

Denn auch wenn ich grundsätzlich (=in Ermangelung einer besseren Alternative) gerne die Kleinanzeigen nutze, würde ich an Transportemissionen doch noch deutlich mehr einsparen, wenn es direkt vor Ort die unkomplizierte Möglichkeit gäbe, Gebrauchtes zu tauschen oder zu kaufen.

Glaubt mal, dass ich mich demnach tüchtig gefreut habe zu erfahren, dass hier in der Region Kleiderflohmärkte echt en vogue sind! Allein im September hatte ich bereits Ankündigungen zu mindestens 6 verschiedenen Veranstaltungen in einer Entfernung von 1 bis 15 km gefunden. Und im Oktober gibt es auch noch mal einige Termine.


Ganz besonders populär sind hierzulande die sogenannten Kinderkleiderbasare.

Zweimal im Jahr, und zwar im Frühling und im Herbst, gibt es hier an mehreren Wochenenden in Folge diverse Termine in den umliegenden Dörfern und Städtchen. Manche Basare sind größer, manche kleiner, manche sehr simpel organisiert, andere extrem durchsstrukturiert. Es gibt Vormittags- und Nachmittags-, ja sogar den einen oder anderen Abendevent.

Neben gebrauchter Kinderkleidung von Geburt an bis hin ins Schulkindalter und reihenweise Schuhen in allen Größen und Ausführungen werden meist auch einige Spielsachen und kleinere Einrichtungsgegenstände angeboten.

Danach kann man sich in der Regel ein leckeres Stück vom selbst gebackenen Kuchen schmecken lassen und auf angenehme Art Kontakte knüpfen.

Außer diesen Kinderflohmärkten bin ich aber auch noch auf andere Veranstaltungen gestoßen, die sich an Erwachsene richten – die Möglichkeit zum Kleidertausch inklusive! Auch fand ich eine Location, wo das Foyer parallel als Verkaufsort für kleine Verkäufer diente, die selbst ihre alten Spielsachen oder Bücher usw. an den Mann bringen wollen. G hat direkt Interesse bekundet, als ich ihm vom diesem Kinderflohmarkt erzählt habe. Da könnten wir einen Platz für ihn reservieren und er kann ein paar seiner alten Habseligkeiten los werden und so sein Taschengeld etwas aufbessern. Ein guter Anlass zum gründlichen Ausmisten im Spielregal, nicht wahr?

Wer sich als freiwilliger Helfer meldet, bekommt bei all diesen Events übrigens bessere Verkaufskonditionen. Aber auch wenn man zum Anpacken keine Kapazität oder Lust hat, lohnt sich die Abgabe der eigenen Waren sicherlich.

  • Erstens, weil mehr Platz im Schrank entsteht.
  • Zweitens, weil in jedem Falle etwas Geld rüber kommt.
  • Drittens, weil man auf diese Weise einen wichtigen Beitrag leisten kann im Umgang mit den knappen Ressourcen unserer Erde.

Für mich steht fest, dass ich im kommenden Frühjahr auf jeden Fall dabei sein möchte und mich mit all den aktiven Leuten vernetzen will, die diese Tradition hier pflegen und weiter entwickeln.

Vielleicht muss ich auf meinen Kleiderfundus gar nicht verzichten, sondern er offenbart sich hier in einer gesellschaftstauglichen Variante, die für eine viel breitere Masse funktioniert als das Teilen-Tauschen-Schenken-Idyll aus meinem Kopf?

Für meinen Lütten war es auch ein recht aufregendes Erlebnis, mit seinem Taschengeld loszuziehen und sich selbst etwas von den schönen Dingen auf dem Basar aussuchen zu können. Geld, Zahlen, Rechnen üben zur Zeit sowieso eine große Faszination auf ihn aus.

Ich konnte übrigens an diesem Tag nicht widerstehen und habe neben der Winterjacke, die wir wirklich für G brauchten, noch zwei kleine Puzzel und ein Spiel über unsere Kontinente erstanden. Zusammen habe ich dafür gerade mal 10 Euro bezahlt und die Sachen sind alle wirklich sauber, gepflegt und gut erhalten.

Clean Shopping, oder wie nennt man sowas?

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