Zur Ruhe gekommen

Ich sehe, mein letzter Eintrag ist bereits eine ganze Weile her. Und auch wenn ich jedes einzelne Wort rückblickend für wahr und gut halte, bin ich mittlerweile im Prozess des Loslassens deutlich weiter fortgeschritten, als damals noch.

Ich bin dankbar für das Jahr 2020. Es hat so viel aufgewühlt und unterm Teppich hervor geholt, wie noch keines zuvor. Mit absoluter Klarheit stehe ich jetzt im Leben und kann die Werte und inneren Wahrheiten, die sich für mich heraus kristallisiert haben, durch mein Sein und Wirken in die Welt tragen.

Eindeutig habe ich erkennen dürfen, wer in meinem Umfeld sich neben mir schreitend aufmacht in die neue Welt. Wer dem Pfad der Authentizität, dem inneren Kompass seines Gewissens, der reinen Selbsterkenntnis, der liebevollen Verbundenheit folgt – und wer im Alten verharren möchte. Aus freien Stücken sich für das sterbende Prinzip der Spaltung, Trennung, des Mangels und der Angst entschieden hat.

Es tut gut und ist befreiend, nun, nach vielen Monaten des Ringens und der Informationsverarbeitung, zu wissen, wo ein jeder steht, mit wem ich mich verbinden möchte, wer ebenfalls den Wandel eingeläutet hat, ihn bereits ein Stück weit oder radikal selbst lebt und ihn somit weiter voran treibt. Es gibt eine ganze Menge Eltern an unserer Schule, die sich aufrecht stehend der Herausforderung stellen, ihre Kinder möglichst heil und unversehrt durch diese turbulenten Zeiten zu führen, sie zu schützen vor der Gewalt, Willkür, Unterdrückung. Der Austausch mit diesen unterschiedlichen, starken, selbst-bewussten Menschen ist heilsam und kraftspendend zugleich.

Unsere eigene, kleine Gemeinschaft wächst und gedeiht ebenfalls ganz wunderbar, und auch wenn wir noch immer nicht das passende Objekt gefunden haben, ist es unsere gemeinsame Vision und das Miteinander, was uns trägt und dran bleiben lässt. Die künstlichen Schranken in Bezug auf fehlende Veranstaltungsräume haben wir kreativ umgangen und konnten in diesem Jahr sehr viele wundervolle Momente an neuen, teilweise sehr ungewöhnlichen Orten finden.

Den Kindern geht es weiterhin bestens. G ist in der Schule prima angekommen. Er geht super gern hin und auch das (geringe) Maß an Hausaufgaben, die es zu erledigen gilt, bewältigt er mit Freude und Tatkraft. Mit der Lehrerin haben wir auch echt Glück gehabt, wie es scheint. Die Waldorfschule war absolut die richtige Entscheidung, nicht nur was die allgemeine Philosophie anbelangt, sondern auch konkret in diesen Tagen sehe ich, wie wertvoll der offene Dialog sich anfühlt und wie die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Standpunkten zu den politischen Maßnahmen von statten geht.

Auch Klein-M entwickelt sich prächtig. Ein „richtiges“ Mädchen ist sie, liebt mit ihren 15 Monaten alles, was Schuhe, Handschuhe, Mützen, Schals angeht. Sie „verkleidet“ sich ständig und präsentiert sich damit freudestrahlend und verzückt. Die Kombination aus recht selbständigem Erstklässler und mobil werdendem Krabbelkind ist für mich gut zu bewältigen. Nach den ersten anstrengenderen Wochen und Monaten habe ich nun den Eindruck, beiden Kindern wieder gut gerecht zu werden und mich selbst ebenfalls noch zu spüren und meine Bedürfnisse zu erfüllen. In Kürze möchte ich das Thema Sport/Yoga für mich wieder neu mit Leben erfüllen.

Außerdem habe ich nach den Monaten der immer wieder spürbaren Anspannung nun richtig Energie, unsere Wohnung mal gründlich auszumisten und auch wieder Dinge auszusortieren, die wir nicht mehr gebrauchen können. Ebay lässt grüßen! Auch meine Krisenvorsorge ist soweit fertig, so dass ich mich gerüstet fühle für alle Eventualitäten, die uns noch so präsentiert werden in der kommenden Phase.

Es bricht nun bald die Adventszeit an, eine meiner liebsten Zeiten im Jahreslauf, und ich freue mich riesig auf die Gemütlichkeit, die Heimeligkeit, das Besinnen auf unsere Kernfamilie und die kleinen Freuden im Alltag. Die Zeichen stehen auf Runterfahren und Einfachheit genießen.

In diesem Sinne sende ich euch allen da draußen ebenfalls etwas von meiner inneren Ruhe und eine große Portion Gelassenheit für alles, was da in den kommenden Monaten im Außen noch an Turbulenzen auf uns wartet. Denn da mache ich mir nichts vor: Das Ende der Strapazen ist noch lange nicht erreicht, der Druck im Außen wird noch weiter steigen, das steht für mich außer Frage. Aber es ist im Grunde alles gesagt. Ein jeder hat sich positioniert. Nun wird das Spiel seinen Lauf nehmen und wenn mich nicht alles täuscht, dann macht ein Baum der fällt, viel mehr Lärm, als ein Wald, der wächst.

Passt auf eure Kinder auf!

Ein Kommentar bei „Zur Ruhe gekommen“

  1. Schön, wieder von euch zu lesen, liebe Jitka. Ich denke an dich und deine Familie und wünsche euch eine besinnliche Adventszeit mit viel Licht im Herzen und Frieden in deinen Gedanken. : * Milla aus Berlin

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