Von Krieg in den Herzen, Nebenschauplätzen und dem Weg zum Frieden

Je länger diese abgefahrene Situation anhält, sich Stück für Stück entfaltet und ihren Lauf nimmt, umso mehr Details und Dynamiken nehme ich wahr und spüre diesen nach. Heute lasse ich euch teilhaben an meiner ganz persönlichen Momentaufnahme über Corona, die sichtbarer werdende, mögliche neue Weltordnung und den vor uns liegenden Weg zum Frieden.

Ich sehe eine große Masse Menschen, die wie gebannt ins Auge der Schlange schauen und alles ausblenden, was sich links, rechts, oben oder unten davon abspielt.

Die Schlange erscheint diesen Menschen als unkontrollierbare Lebensgefahr, sie tötet durch ihre bloße Präsenz mit einem Schlag alle Nähe, alle menschliche, körperliche Verbundenheit. Sie bringt Angst, Enge, Kälte. Sie schürt Misstrauen, fördert das Entstehen von neuen und das Verstärken von alten Feindbildern in den Köpfen der Menschen, die nur sie sehen können. Die Schlange schafft Einsamkeit, Isolation, Verzweiflung, Ohmacht. Sie zerstört Existenzen, sie lässt Menschen leiden, Gewalt sich mehren, Not wachsen.

Die Menschen, die Angst vor der Schlange haben, sagen:

Seht doch nur die fürchterliche Schlange! Sie wird so schrecklich viele von uns töten! Wir müssen auf unsere Beschützer hören und uns verstecken. Nur, wenn wir uns verstecken, bis die Schlange vorüber gezogen oder ein Antidot gegen ihr Gift gefunden ist, dürfen wir uns wieder in die Arme nehmen, gemeinsam lachen und singen, die Kinder miteinander spielen lassen, unsere Grundbedürfnisse als soziale Wesen nähren, unseren Lebensunterhalt bestreiten.

Als nächstes sehe ich eine kleinere, aber doch wachsende und nicht minder vehemente Masse Menschen. Diese Menschen schauen wie gebannt auf einen riesigen Löwen, der hinter der Schlange steht.

Diese Menschen sind sich ganz sicher: Die Schlange ist gar keine tödliche Viper, sondern ein viel harmloseres Geschöpf, deren Biss – wenn überhaupt messbar tödlich – nur sehr wenigen Menschen wirklich gefährlich wird. Eigentlich nur den sowieso Totgesagten, den Hochbetagten, den Menschen mit schweren Erkrankungen im fortgeschrittenen oder Endstadium. Leben, die bereits voll gelebt wurden und deren Ende sich nicht aufhalten lassen wird, solange wir sterbliche Körper haben.

Die Menschen, die nicht an die Gefahr durch die Schlange glauben, fürchten hingegen den Löwen umso verbitterter. Ja, sie hassen ihn geradezu. Sie meinen, wenn der Löwe nicht wäre, würde jeder erkennen, dass die Schlange harmlos ist. Der Löwe ist Schuld daran, dass alle auf die Schlange starren. Er kontrolliert die öffentlichen Anstalten, ebenso unsere Regierenden, die Institutionen, damit diese tagein, tagaus nur von der Schlange berichten und unsere Panik vor ihr groß halten. Der Löwe hat unendlich viel Macht und nutzt diese, um den Menschen Leid und Not zu bringen. Er will uns einsperren und versklaven, denn das hat er schon immer getan. Viel mehr werden sterben, wenn wir ihn nicht stoppen.

Der Löwe bringt Wut, Hass, glühendes Feuer. Er schürt Misstrauen, fördert das Entstehen von neuen und das Verstärken von alten Feindbildern in den Köpfen der Menschen, die nur ihn sehen können. Der Löwe schafft Einsamkeit, Isolation, Verzweiflung, Ohmacht. Er zerstört Existenzen, er lässt Menschen leiden, Gewalt sich mehren, Not wachsen.

Die Menschen, die den Löwen hassen, sagen:

Erkennt ihr den Löwen nicht? Wir müssen ihn töten! Nur, wenn wir den Löwen töten, werden alle erkennen, dass wir nicht in Gefahr sind.

In ihrer kopflosen Panik fangen nun beide Lager wie wild an, die jeweils anders Denkenden überzeugen zu wollen.

Sie beginnen vielleicht freundlich und höflich, tauschen Argumente aus, berufen sich auf anerkannte Reptilienforscher und Löwenbändiger. Doch es dauert gar nicht lange, da schreien sie sich maßlos an. Beleidigungen, Vorwürfe, Drohungen fliegen hin und her. Mal laut und ohrenbetäubend, mal geflüstert, in aller Öffentlichkeit oder hinter den Rücken der Zuschauer. Die Polizei schreitet ein und bestraft die Gruppe der Löwenhasser mit immer härteren Strafen.

Wohin man auch schaut, herrscht Krieg in den Herzen. Hass erfüllt die Luft, welcher aus Angst ums eigene Leben oder die eigene Freiheit geschürt wird.

Ich kenne die beiden Lager sehr genau, denn sie wohnen auch in mir.

Normalerweise überwiegt klar die eine Seite, in düsteren Momenten bekriegen sie sich trotzdem lautstark in meinem Kopf. Die Angst vor der Schlange, der Hass auf den Löwen und das Fliehen vor den Polizisten drohen mich manchmal zu ersticken und alles in meinem Körper wird hart und eng und kalt und heiß.

In solchen Momenten bin ich anfällig für den Biss der Schlange, denn so schwäche ich mein Schlangenabwehrsystem. Und ich bin ein leichtes Opfer für den Hieb des Löwens, denn nur als geschlossene Gruppe können wir seine Macht zurück erlangen.

Was den beiden verhärteten Fronten in ihrem aufbrausenden Krieg entgeht, ist die Chance, sich gegenseitig zuzuhören und nach den Ursachen und nach Abhilfe für die bestehenden Sorgen zu suchen. Gemeinsam und frei und völlig unabhängig davon, ob Schlange oder Löwe wirklich existieren.

Vielleicht tun sie das. Vielleicht auch nicht. Vielleicht stimmt wirklich nur die eine Seite.

Vielleicht ist es aber auch ganz anders.

Könnte hinter dem Löwen nicht noch eine dritte Macht stehen?

Eine alles umfassende, jeden einzelnen von uns durchdringende Energie? Wie wäre es, wenn wir uns vorstellten, dass Schlange und Löwe nur dann Macht über unsere Gedanken, unsere Gefühle und unser Handeln haben können, wenn WIR ihnen diese Macht geben? Indem wir den Krieg in unseren Herzen nähren, machen wir uns verletzlich für den tödlichen Schlangenbiss. Und wenn wir die Freiheit der anderen aus unserer eigenen Angst heraus beschneiden wollen, geben wir dem Löwen oder seinem Herrchen oder wer auch immer den Löwen ins Spiel gebracht hat, überhaupt erst die Möglichkeit, diese Macht über uns auszuüben.

Jeder Schritt voller Mut in Richtung Öffnung, jedes Wort der Versöhnung an die anders Fühlenden, jede helfende Hand für die Notleidenden, jede geleistete Stunde für Schutz und Gesundheit und Wohlergehen unseres lebenden Zuhauses, Planet Erde genannt, wird uns allen Rettung bringen.

Jeder einzelne Mensch hat in jedem einzelnen Augenblick die Wahl, ob er genau JETZT weiter den Weg des Krieges, der Trennung, des Hasses gehen will. Oder ob er den Weg des Friedens, der Versöhnung, der Liebe wählt. Ob er weiterhin den Feind im Außen, in seinem Gegenüber sehen und diesen bekämpfen oder sich auf die Anteile in sich selbst besinnen und diese anzunehmen lernen möchte, die er in Wahrheit abwehrt und verurteilt.

Wir können Verantwortung für unser Handeln übernehmen. Genau Jetzt.

Das ist in meinen Augen die wahre Revolution.

Und diese kann jeder Mensch, zu jeder Zeit, an jedem Ort leben. Es wird sich zeigen, ob es genug Menschen schaffen, eine kritische Masse der Liebe, der Großzügigkeit und des Miteinanders zu kreieren, auf dass die Entwicklung dorthin irgendwann einer Lawine gleich ins Rollen gerät und nicht mehr aufzuhalten sein wird. Mit all den Folgen und wundervollen Auswirkungen auf die Menschen, die Tiere, die Mikroorganismen, die Pflanzen, den Planetenkörper, der uns nährt und erschafft und wieder zu sich nimmt, wenn unsere Aufgabe erfüllt ist.

Ich für meinen Teil versuche mein Bestes, ein Sandkorn in dieser Lawine zu sein.

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