Runterfahren, Ängste bewältigen

Hier kommt der Rückblick auf unsere Tage 2 und 3 in dieser Corona-induzierten Umwandlungsphase. Das Wetter gibt nun deutlicher denn je vor, ob wir die Zeit Zuhause oder vor der eigenen Tür verbringen. Denn Verabredungen und sämtliche Aktivitäten in geschlossenen Räumen sind ja nun erstmal tabu. Ach, und noch haben wir eine ganze Packung Klopapier, aber Nachschub ist bislang nicht in Sicht.

Meine vorgedachte Tagesstruktur klappt nur so halbwegs an grau-kühlen Tagen. Denn an Tag 2 waren wir fast den ganzen Tag drinnen. Mein Sohn hat sein Home-Office genutzt, um seine selbst gewählten Schreibübungen durchzuführen.

Da er viel malt und schreibt zur Zeit, habe ich ihm ein paar Teile aus der „Schulausrüstung“ jetzt doch schon mal heraus gegeben. Darunter ein Tintenroller, der sich besser für Linkshänder*innen eignet als ein Tintenfüller. Und eine Unterlage, die eine gesunde Handhaltung beim Schreiben fördert, da auf ihr das Papier leicht schräg gelegt wird.

Klein-M wird immer neugieriger im Erforschen und Erkunden und auf meinem Schoß hält sie sich derzeit am allerliebsten auf. Da sie so wie ich auch etwas Husten und Schnupfen hat, kann ich ihre Anhänglichkeit gut verstehen. Hoffentlich wird sie nicht noch kränker.

Meine Stimmung kippte am Dienstag Abend doch etwas, irgendwie kamen so ein paar düstere Zukunftsängste durch. Was, wenn doch zu viele Menschen in dieser kritischen Zeit zu Aggression, Gewalt und Egoismus neigen, als es solche mit Liebe im Herzen für eine Transformation zum Guten gibt? Was, wenn Wirtschaftskrisen und Isolation die Gesellschaften ins unbeschreibliche Chaos führen, statt zu positivem Wandel und Heilung beizutragen? Eine große Vertrauensübung auch für mich.

Am Mittwoch lockte uns die Sonne wieder an die frische Waldluft. G wollte zwar erst nicht raus, aber ich mochte auf keinen Fall den ganzen Tag bei Sonnenschein auf dem Sofa hocken. Solange wir noch keine striktere Ausgangssperre haben, die auch Waldbesuche verbietet, nutze ich die Möglichkeit, den Lagerkoller ein kleines bisschen hinaus zu zögern.

Eine Runde Naturbingo wollte ich schon längst mal gespielt haben, also war gestern der Tag, an dem wir endlich dazu kamen. Allerdings haben wir keinen Wettkampf daraus gemacht, sondern einfach gemeinsam die Sinne geöffnet und die Schätze der Natur aufgespürt.

Zwar gab es im Wildtierfreigehege außer Eichhörnchen und Waldvögeln keine Tiere zu sehen, aber die Laune blieb trotzdem erfreulich gut. Die Polizeistreife, die während unsres Rückwegs zum Parkplatz durch den Wald gefahren kam und am Waldspielplatz parkte, brachte mich jedoch etwas aus dem Konzept. Dunkle Vorahnungen von Ausgangssperren, Unruhen, Chaos und Versorgungsproblemen bedrückten mich den Rest des Tages über.

Ich versuche die Ruhe zu bewahren und mich bewusster aufs Hier und Jetzt zu konzentrieren. Da auch mein Großer zunehmend mehr mitkriegt und die (sozialen) Einschränkungen für ihn von Tag zu Tag schwerer zu ertragen sind, muss ich hier viel kindgerechte Aufklärung, und dazu natürlich einiges an emotionaler Beziehungsarbeit leisten.

Diese Zeiten sind alles andere als einfach. Wir befinden uns noch in der Anpassung und es wird hoffentlich bald etwas leichter. Die Komponente Elternschaft zwingt mich auf jeden Fall, meine innere Stärke zu aktivieren und als Wegweiser für meine Kinder mit Zuversicht und Optimismus durch die herausfordernden Momente zu navigieren. Manchmal fühlt sich das einsam an so im Alltag, aber dann erinnere ich mich daran, dass wir ja doch alle miteinander verbunden sind.

2 Kommentare bei „Runterfahren, Ängste bewältigen“

  1. Hui, Klein-M ist ja tatsächlich gar nicht mehr so klein 😅 verrückt.

    Eigentlich kommen wir sehr gut zurecht. Wir sind viel im Garten, verhungern werden wir sicher auch nicht.

    Ich bin nur wirklich traurig, dass der Geburtstag von Motte nächsten Dienstag so gar nicht sein wird, wie geplant. Sie wird sich sicher nicht dran erinnern, trotzdem bin ich da wirklich traurig. Aber wir versuchen, das Beste draus zu machen!

    Bleibt gesund, bzw. Gute Besserung!
    EsistJuli

  2. Danke, gleichfalls!
    Ich habe gerade heute an die vielen Kinder gedacht, die gerade Geburtstag haben und nicht richtig feiern können. Voll doof. Bei euch leidet „zum Glück“ das Kind selbst nicht darunter.
    Vielleicht die Chance eine ganz besondere persönliche Tradition zu kreieren, die ihr auch in den Jahren des Geburtstagtrubels nur für euch beibehalten wollt? 🤔

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