Das Gute an Corona

Ich gehöre zu den Menschen, die grundsätzlich alle großen mainstream Nachrichtenmedien meiden, um mich nicht jeden Tag mit diesen nicht enden wollenden negativen Bildern, Gedanken und Gefühlen aus aller Welt zu belasten. Ich will ja das Gute, Wahre, Schöne pflegen und in die Welt tragen und da helfen mir die plakativen Bilder von vegewaltigten Siebenjährigen und ausgeraubten Achtzigjährigen mal so gar nicht wirklich weiter.

Diese sind nur ein Ausschnitt, ein sehr verzerrtes Bild von den Dingen, die so geschehen. Die kleinen und größeren Freundlichkeiten und Taten der Verbindung schaffen es nur einfach nicht in die Zeitung. Oder habt ihr schon mal diese Schlagzeilen gelesen:

Alter Dame wird Platz im Bus angeboten!

Kind weint – Bäckersfrau eilt zur Hilfe

Obdachloser erhält größte Almosen seines Lebens, jetzt kann er sich warme Socken kaufen!

Eher nicht, oder? Aber diese guten Dinge passieren, tagtäglich in unseren Leben, nicht zuletzt weil wir sie selber tun. Doch sie werden leider nicht in den Fokus gerückt, denn damit kann man wohl kein Geld verdienen. Mit Angst und Panikmache und den folgenden Konsum-Übersprungshandlungen hingegen sehr wohl.

Das heißt nun nicht, dass ich die Augen davor verschließen würde, dass schlimme Dinge da draußen passieren.

Aber erstens glaube ich den großen Zeitungen und Sendern sowieso kein Wort mehr und zweitens ist das ständige Lesen von irgendwelchen Horrorschlagzeilen kein respektvoller Umgang für mich mit der Thematik. Wenn ich mich wirklich mit dem Leid und Elend dieser Welt auseinander setzen will, dann tue ich das bewusst, und auch nur, wenn es mir gerade wirklich gut geht. Da gehe ich respektvoll mit mir selbst um. Und dann schaue ich mir lieber eine seriöse Dokumentation an oder lese auch schon mal ein Buch zu dem entsprechenden Thema, da gehe ich respektvoll mit den Betroffenen um und versuche den wahren Hintergründen etwas näher zu kommen.

Soviel zu dem Warum. Warum ich keine Nachrichten konsumieren möchte.

Ich denke, ich sage noch ein, zwei Worte darüber, weshalb ich da aus meiner Sicht nichts verpasse.

Ich bin nämlich ganz fest davon überzeugt, dass das, was an globalen oder lokalen Neuigkeiten wirklich wichtig und relevant für mich persönlich ist, das erreicht mich auch über andere Wege. Da vertraue ich auf das Universum als solches. Ich erhalte die Informationen, die ich brauche, zur rechten Zeit.

Und die Sache mit Corona habe ich natürlich mitgekriegt. Sowie die Maßnahmen, welche die Politik derzeit ergreift, um die Krankheitsverbreitung zu verlangsamen.

Und damit schließt sich der Kreis zu meiner Überschrift – Das Gute an Corona

Die Welt steckt in einer Krise, einem Ausnahmezustand seit dem Ausbruch von Covid-19. Verglichen mit der herrschenden Klimakrise und der fortschreitenden Zerstörung unser aller Lebensgrundlage ist es eigentlich nur eine kleine Unannehmlichkeit.

Natürlich mache ich mir auch Sorgen um das Leben unserer Eltern und fühle mit jeder Familie, die ein geliebtes Mitglied durch den Virus verliert.

Aber dass weltweit ein paar hunderttausend Senioren und Menschen mit schweren Vorerkrankungen der natürlichen Auslese zum Opfer fallen werden, ist verhältnismäßig harmlos gegen die Vorstellung, dass wir alle und erst recht jedes Kind unserer nachfolgenden Generationen um sein nacktes Überleben bangen muss.

Die Regierungen ergreifen im Angesicht der Corona-Krise so manche drastische Maßnahmen. Einzelpersonen und ganze Personenkreise werden in häuslicher Quarantäne isoliert. Schulen und Kitas sind geschlossen. Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen weitgehend unterbunden. Veranstaltungen ab einer bestimmten Teilnehmerzahl je nach Region verboten.

Und alle machen mit. Jeder erkennt den Ernst der Lage. Die Freiheit des Einzelnen wird der Sicherheit der Allgemeinheit untergeordnet und das wird hingenommen und akzeptiert.

Was ich damit sagen will? Ich habe Hoffnung bekommen.

Hoffnung, dass all die Ausflüchte und Argumente gegen jegliche verschärfteren politischen Maßnahmen zur Rettung unserer Erde durch das Coronabeispiel etwas an Kraft verlieren.

Hoffnung, dass die Krise zeigt, dass Verzicht auf bestimmte Sachen und die Besinnung auf die wirklich wesentlichen Dinge im Leben, möglich und wertvoll sind.

Hoffnung, dass wir uns stärker mit unseren Nächsten zusammen tun. Wieder lernen, mehr zu kooperieren, aufeinander zu achten und füreinander zu sorgen.

Hoffnung, dass wir mehr hinterfragen, wieviel Luxus und Zerstreuung wir uns in unserer Freizeit wirklich geben müssen. Und ob viele der als selbstverständlich hingenommenen Veranstaltungen und der übermäßige Konsum des alltäglichen Lebens uns eigentlich so schmerzlich fehlt, wenn wir einmal für eine Weile darauf verzichten.

Hoffnung, dass so mancher Werbetexter, Eventmanager oder Telefondesinfizierer Zeit zum Nachdenken bekommt, ob seine Arbeit, sein Tun und Wirken tatsächlich einen Nutzen für die Menschen, den Planeten haben. Oder ob er nicht vielleicht doch lieber Altenpflege, Permakultur oder irgendein nützliches Handwerk erlernen sollte, um den Schaden wieder gut zu machen, den sein bisheriges Handeln im großen Räderwerk des ausbeuterischen, konsumförderndenen Global-Kapitalismus angerichtet hat.

Hoffnung, dass auch die Politiker der Welt während dieser Krisenzeit erkennen, dass sie auch in anderen Bereichen – in viel relevanteren, viel bedeutsameren Bereichen, die die gesamte Wirtschaft betreffen – strengere Richtilinien erlassen müssen, und dass sie damit die Freiheit des einzelnen einschränken dürfen, um das Überleben unserer Kinder und Kindeskinder zu wahren.

Ja, Hoffnung, dass diese vergleichsweise kleine Krise uns die globale, große Krise deutlicher vor Augen führt. Dass sie uns zeigt, dass ein Umdenken und eine Veränderung in unserem Handeln sofort möglich ist. Und dass genug Menschen diese Krise nutzen, um ihr Leben zu verändern und ihren wahren Bedüfnissen wieder näher kommen.

Dafür wäre ich Corona jedenfalls für immer dankbar!

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