Das dritte Trimenon

Wir haben Juli. Draußen scheint die Sonne so heiß, dass es kaum auszuhalten ist und hier drinnen sorgen täglich Eis und Wassermelone für die nötige Erfrischung an diesen knalligen Sommertagen. Und ich selbst? Ich fühle mich mittlerweile auch schon wie so eine richtig schön reife Melone.

In der Traditionellen Hebammenkunst heißt es:

Die Mutter verändert sich mit jedem Trimester, der Uterus (die Gebärmutter) mit jedem Monat, das Kind mit jeder Woche.

Das letzte Drittel, auch „Phase der Belastung“ genannt, erstreckt sich von der 25. bis zur vollendeten 36. Schwangerschaftswoche. Es ist die Zeit, in der das nette Babybäuchlein eher einem Medizinballgefühl in der Körpermitte weicht. In der das Atmen, Liegen, Aufstehen, Bücken und Strecken immer mühseliger werden und das Baby mit zunehmender Größe und Kraft auf sich aufmerksam macht.

„Phase der Belastung“ bezieht sich aber nicht ausschließlich auf das Wohlbefinden und die Beweglichkeit der Frau. Sie beschreibt auch die Tatsache, dass der schwangere Körper insgesamt nun an seine Belastungsgrenzen gedrängt wird. Haben sich im ersten frühen Schwangerschaftsdrittel bereits Probleme bemerkbar gemacht, die im Laufe des zweiten Trimenons („Phase des Wohlbefindens“) wieder etwas in den Hintergrund gerückt waren, ist das dritte Drittel die kritische Phase, in der diese Schwierigkeiten zurück kommen können und im schlechtesten Fall zu manifesten Komplikationen für Mutter und Kind führen. Es kann aber auch zu ganz neu auftretenden Problemen im Verlauf kommen.

Demnach sollte der Gesundheit der Mutter in dieser Zeit nun ganz besonders hohe Aufmerksamkeit gewidmet werden. Und auch die Frau selbst sollte sich bewusster mit den spürbaren Veränderungen beschäftigen als noch wenige Wochen zuvor.

So heißt es für mich zum Beispiel, dass ich gerade sehr darauf achte, mich zu schonen und keine großen Aufgaben mehr zu übernehmen. Ich merke, wie mein Bauch sofort mit Anspannung reagiert, sobald ich etwas zu viel erledige, etwas zu aktiv bin oder mich mit Themen beschäftige, die mich emotional sehr in Wallung bringen.

In meiner ersten Schwangerschaft habe ich am eigenen Leib erfahren, wie mein Körper in diesem dritten Drittel der Belastung nicht mehr Stand gehalten hat und die Anstrengung nicht mehr kompensieren konnte, so dass es aufgrund eines vorzeitigen Blasensprungs zur Frühgeburt kam. Die genauen Gründe sind zwar nicht klar gewesen, aber diesmal versuche ich alles in meiner Macht stehende zu tun, um eine erneute Frühgeburt zu verhindern.

Ich trage kontinuierlich meinen Stützgurt, um den Bauch möglichst ruhig zu halten. Ich erledige, wie gesagt, nur noch das allernötigste im Haushalt und gebe alles an meinen Mann ab, was ich mir gerade nicht mehr zutraue – sei es körperlich oder psychisch. Meine eigenen Ansprüche an pädagogisch wertvolle Beschäftigungsangebote für G und an ein vorbildliches Essverhalten habe ich deutlich zurück geschraubt. Das wird schon alles wieder seinen Platz finden in unserem Alltag und mein Kind wird bis dahin hoffentlich nicht völlig verblöden oder an Mangelernährung zugrunde gehen, nur weil es hier gerade öfter mal eine Folge Inspector Gadget auf die Augen und eine schnelle Tiefkühlpizza auf den Tisch gibt.

Zum Glück ist G in einem Alter, in dem ich ihm schon gut vermitteln kann, was gerade geht und was nicht. Und wir finden auch an den meisten Nachmittagen einen ganz guten Ablauf. Ich bin dankbarer denn je für seinen Platz im Waldkindergarten. Denn dort ist er mittlerweile richtig gut angekommen, hat seine Freunde gefunden und erlebt jeden Tag 5 Stunden lang seine großen und kleinen Naturwunder in einem liebevoll gestalteten Alltag.

Ich selbst gehe also möglichst achtsam durch meine Tage und prüfe immer wieder aufs Neue, was ich gerade schaffe und was halt einfach liegen bleiben muss. Verlangsamung und Imperfektion sind meine Lernaufgaben in dieser Zeit. Die Liste der Erledigungen, die ich vor der Geburt noch abhaken möchte, ist auch wirklich erfreulich überschaubar geworden: G´s 6. Geburtstag wollen wir noch gebührend mit ihm und seinen Freunden feiern und eine Gemeinschaftswoche hier in der Nähe unseres Wohnortes steht auch noch auf dem Programm. Ansonsten geht es um so einfache Aufgaben, wie die letzten Hausgeburtsmaterialien zu besorgen, die Kliniktasche zu packen, etwas Essen fürs Wochenbett vorzukochen und den Dokumentenordner für die Behördengänge nach der Geburt zu vervollständigen.

Ich hoffe sehr, meine Taktik geht auf und ich überstehe so das kritische dritte Trimenon diesmal komplett und ohne unvorhergesehene Schwierigkeiten, so dass mein Wunsch, unser Kind Zuhause zu bekommen, in greifbare Nähe rücken kann. Es wäre wirklich zu schön, wenn ich diesmal auch den allerletzten Abschnitt der Schwangerschaft – die Phase der Vorbereitung – erleben dürfte und unser Kindelein damit die Chance bekommt, sich optimal auf seine Ankunft hier draußen vorzubereiten.

Im Gegensatz zur ersten Schwangerschaft bin ich aber tatsächlich gelassener und weniger getrieben, alles fertig zu kriegen. Ob das wohl ein gutes Vorzeichen ist?

Ein Kommentar bei „Das dritte Trimenon“

  1. Ach so kurz vor Geburt ist schon eine spannende Zeit 😀

    Ich wünsche dir alles Gute! 🙂

    Übrigens war, rückblickend, bei mir tatsächlich das 1. Trimester noch das beste ^^* da war ich „nur“ furchtbar müde.

    Ab Woche 13 hatte ich Übelkeit und Erbrechen. Täglich. Weil mein Körper wohl gerne aus der „Norm“ fällt -.- 😀 das ganze blieb bis zur Geburt. Aber ab Mutterschutz konnte ich dann endlich entspannen und die Schwangerschaft „genießen“. Und da war sie auch schon wieder vorbei 😀

    Ich bin aber auch einfach nicht gerne schwanger gewesen… 😀 aber ich weiß ja, warum man „da durch“ muss und es hat sich ja auch total gelohnt <3

    Viel blabla, sorry, auf jeden Fall alles Gute 🙂

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