In der Schule des Lebens: selbst bestimmt lernen

Für uns ist es entschiedene Sache, dass unser Kind erst mit sieben Jahren eingeschult werden soll. Dies hat verschiedene Gründe. Einige liegen in unserer grundsätzlichen Weltanschauung, unserem Menschenbild und der Affinität zur Anthroposophie, andere wiederum in unserer besonderen Situation, nach über einem Jahr des Reisens nun erst wieder wirklich Wurzeln hier zu schlagen. Nichtsdestotrotz interessiert sich unser nun bereits Fünfjähriger für die unterschiedlichesten Dinge und sucht sich selbst ständig seine eigenen Lernorte und -methoden aus.

Manchmal fragt er mich, ob wir „Schule“ spielen können und dann geht es ihm darum, Buchstaben, Wörter und Zahlen schreiben zu lernen. Mittlerweile ist er ganz eindeutig Linkshänder, was das anbelangt. (Ohne meinerseits besondere Aufmerksamkeit darauf gelegt zu haben, geschweige denn eine Therapie einzuleiten.)

Die Welt der Tiere ist momentan außerdem sehr spannend und begeistert unseren Kleinen immer wieder aufs Neue. Ich liebe unser Tierlexikon, das übrigens mein Liebster mit in die Ehe eingebracht hat. Die unglaublich detaillierten Abbildungen sind auch für uns Große schön anzusehen und ich lerne jedesmal etwas Neues, wenn ich mit G die Beschreibungen zu den einzelnen Lebewesen durchlese.

Hochaktuell sind – wie wahrscheinlich bei fast jedem Jungen in seinem Alter – Dinosaurier, Drachen und Echsen. Ich bin ganz fasziniert davon, wie drachenähnlich so manche dieser Reptilien tatsächlich aussehen.

So hat G die letzte Woche sehr intensiv daran gearbeitet, sich die Anatomie der Flugechsen aus dem Lexikon anzueignen. Anhand der Bilder könnt ihr sehen, wie oft er dieses Tier wieder und wieder abgemalt und zuletzt dann auch aus dem Kopf gezeichnet hat, bis hin zu einer winzig kleinen Zeichnung, die kaum größer als ein 1-Euro-Stück geworden ist.

Das Argument, er würde kognitiv nicht genug gefordert, wenn er erst im übernächsten Jahr zur Schule kommt, kann ich absolut nicht teilen. Ich bin so froh, dass er einfach noch ein ganzes Jahr länger richtig Kind sein darf und sich seinen Interessen zuwenden kann, in welcher Intensität und in welchem Ausmaß er das gerade möchte. Ohne Leistungsdruck und ohne Vorgaben oder Lehrplan von außen.

Die Liebe zum selbst bestimmten Lernen, zum Aneignen von neuem Wissen, darf so ganz in Ruhe weiter wachsen und sich entwickeln. Und wenn er mal 3 Monate nur toben, kneten oder Mühle spielen will, gibt es keinen Stress, denn auch das ist spielerisches Lernen, ist wichtiges Erfahren, ist kreatives Reifen seiner Fähigkeiten. Und zwar nach seinem ganz eigenen Bauplan.

Und am Ende bin sogar ich eingestiegen und hatte richtig Lust, mal so eine Echse zu tuschen. Begeisterung steckt eben an!

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