Mein Sohn trägt eine Haarspange

„Sie haben aber ein süßes Mädchen.“ oder „Wie alt ist die Kleine denn?“ sind Sätze, die ich in der Öffentlichkeit öfter zu hören kriege. Das liegt bestimmt an G´s feinem Gesichtchen, seinen großen, blauen Augen und seiner ruhigen, verträumten Art. Dass er eine Haarspange trägt, macht die Verwirrung der Leute manchmal komplett. Auch wenn ich Kauf und Einsatz derselben in erster Linie aus praktischen Gründen herbei geführt habe, steckt in meinem Umgang damit auch ein Statement.

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Für mich spielt es überhaupt keine Rolle, welches Geschlecht ein Individuum mit auf die Welt bringt oder in welcher Rolle es sich im Laufe seiner Entwicklung letztendlich wohl fühlt. Das betrifft die Attribute der Geschlechterrollen genauso wie die sexuelle oder emotionale Ausrichtung. Mein Kind soll sich seine Kleiderfarbe nach dem eigenen Geschmack und genau die Beschäftigungen aussuchen, die ihm Freude und Zufriedenheit verschaffen, völlig egal, ob das nun Werken, Stricken oder Kneten ist. Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, dass jeder Mensch so leben sollte, wie es ihm gut tut (vorausgesetzt natürlich, es schadet niemand anderem). Toleranz in Hinblick auf die persönliche Lebensweise und den individuellen Ausdruck sind eine Grundvoraussetzung für ein friedvolles Gemeinschaftsleben.

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Es ist traurig, dass das in so vielen Teilen dieser Welt, und ganz besonders hier vor unserer eigenen Tür, noch lange keine Realität ist. Als vor etwa 2 Jahren Hunderttausende Menschen in Frankreich auf die Straße gingen, um GEGEN die Gleichberechtigung der homosexuellen Lebenspartnerschaften zu demonstrieren, dachte ich zu allererst, der Nachrichtensprecher hätte sich verlesen und die Demo sei ganz sicher FÜR die Gleichberechtigung. Als ich die Plakate mit den entsprechenden Piktogrammen sah, war ich erst einmal fassungslos. Und ehrlich gesagt, kann ich bis heute nicht begreifen, wie eine solche menschenverachtende, bornierte Einstellung im 21. Jahrhundert überhaupt noch existieren kann.

Dies ist ein Plädoyer für mehr Toleranz untereinander. Die kulturell vorherrschenden Geschlechterrollen können sicher an mancher Stelle helfen, sich zu orientieren und das eigene Rollenverständnis zu reflektieren und abzugleichen. Doch sollten die Übergänge immer so fließend gestaltet sein, dass jeder Mensch sich willkommen und angenommen fühlen kann. Egal, ob die femininen, die maskulinen oder noch andere Merkmale im Vordergrund der Persönlichkeit stehen. Damit wäre schon viel gewonnen!
Und natürlich kann ein Junge eine Haarspange tragen, denn diese ist nützlich und hält ihm die Haare aus den Augen heraus.

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Es ist übrigens sehr erfrischend, von anderen Kindern offen dazu gefragt zu werden und ins Gespräch mit ihnen zu kommen. Sie sind interessiert und gleichen ihre eigenen Bilder und Erfahrungen mit diesem neuen Anblick ab. Manchem kleinen Jungen wird auf einmal klar, dass er genau so lange Haare wie das Mädchen neben ihm hätte, wenn seine Eltern sie ihm nicht abgeschnitten hätten. Und ich hoffe einfach, dass ich durch meinen entspannten Umgang mit dem Thema ein kleines bißchen mehr Frieden in der Welt stifte.

Wie seht ihr das? Was bedeuten euch die traditionellen Geschlechterrollen? Welche Vor- oder Nachteile haben sie für ein gemeinsames Zusammenleben?

2 Kommentare bei „Mein Sohn trägt eine Haarspange“

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    Mein sohn trägt auch eine Haarspange und ich höre mir so Sprüche an wie „ich bringe mal ne Schere mit, dann muss der arme Junge keine Spange mehr tragen“
    Ich finds ganz schlimm, daS Kinder schon so erzogen werden.
    Mein 6 jähriger Sohn wird schief angeschaut, weil er fingernagelaufklebee hat und mein einjähriger ist ein armer Junge weil er eine Haarspange trägt.

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